Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/64/
Entdeckung des liechtensteinischen Volkes Liechtenstein in den Rheinbund seine Unabhängigkeit sicherte. Später bedeutete der französische Einmarsch in das Fürstentum 1809, an den sich die patriotische Geschichte vom Landmajor Peter Matt, einem nahen Verwandten Kaisers, knüpft, nichts anderes als die Sicherung der liechtensteinischen Unabhängigkeit gegenüber den Ansprüchen, die Bayern als Herr Tirols angemeldet hatte. Diese Erkenntnisse verdanken wir vor allem Georg Schmidt/4 Hier wird eine weitere Schwäche der Argumentation Kaisers deutlich - die Politik des Fürstenhauses und ihre Begrün­ dungen waren ihm unbekannt. Damit war er auch nicht in der Lage, die entschei­ dende Rolle der österreichischen und europäischen Position des Hauses für die Unabhängigkeit des Fürstentums auszumachen. Die Stellung des Fürstenhauses mit ihrer Verankerung in der Monarchie war deren sicherste Garantie. Gewiss, der Besitz des Landes am jungen Rhein war für das Fürstenhaus Grundlage seiner Stel­ lung innerhalb der europäischen Politik und innerhalb der europäischen Adelsge­ sellschaft.75 Für seine wirtschaftliche Position war das Land im Gegensatz zu den Brandis, Sulz und Hohenems bedeutungslos - die Fürsten regierten es aus der Ferne. Aber sie setzten ihre Möglichkeiten auch entschieden für die Erhaltung ihres nunmehr souveränen Territoriums ein. Dies war dann entscheidend für die Siche­ rung der Selbständigkeit Liechtensteins. Peter Kaiser aber stellte dem die Freiheiten des Volkes, verkörpert in der alten Landammannsverfassung, gegenüber, die aber gewiss nicht die Selbständigkeit Liechtensteins gerettet hätte - doch sie verlieh dem liechtensteinischen Volk, vor allem durch die Vermittlung von Peter Kaisers Lan­ desgeschichte, eine eigene Dignität. Begeistert begrüsste er aber die Rolle des Fürsten Johann I. von Liechtenstein bei der Erhebung Österreichs 1809/* Aus einer reichspatriotischen bzw. deutschpatrio­ tischen Gesinnung beobachtete er den Zusammenbruch des napoleonischen Impe­ riums: "Das Jahr 1812 endete schrecklich für die Franzosen. Hoffnungsreich ging das Jahr 1813 den Deutschen auf." Bei den Freiheitskriegen stellte selbst der Liech­ tensteiner Kaiser die spontane Erhebung Preussens indirekt der zögernden Diplo­ matie Metternichs gegenüber: "Selten hat so rein und allgemein die Begeisterung für seine edelsten Güter ein Volk ergriffen, alle Stände und Klassen so mächtig durch­ drungen und solchen Wetteifer in Aufopferung und Vaterlandsliebe erzeugt, wie es damals bei den Preussen und den Deutschen der Fall war."77 Kaiser erkannte sehr deutlich, dass die Fortexistenz der alten Verfassung mit dem Bestehen des Reiches zusammenhing und mit dem letzteren zu Ende ging - es gab also einen engen Zusammenhang zwischen Reich und Landammannsverfassung. Diese bot "auch in ihrer geschmälerten Gestalt noch Spielraum und Freiheit genug zu einer gesegneten und wohlthätigen Wirksamkeit, wenn Männer an der Spitze standen, die ihre Aufgabe begriffen und vor allem die Wohlfahrt des Landes im Auge behielten." So kritisierte Kaiser den Eigennutz, vor allem aber die Abneigung gegen die Fremden - und doch bevorzugte er die alte Zeit: "Das Leben in den Gemeinden bot damals noch ein regeres und fröhlicheres Aussehen als jetzt. Damit aber waren die Schupplerschen Reformen im Visier: "Die Souveränität 74 G. Schmidt, Johann I., S. 400—407. 75 Press, Haus Liechtenstein (wie Anm. 44). 76 Kaiser, Geschichte 1, S. 505. 77 Kaiser, Geschichte 1, S. 507. 71 Kaiser, Geschichte 1, S. 497 f. 71
        

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