Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/57/
Volker Press ler Nüchternheit, ohne höfische Floskeln, aber doch in unzweideutiger Anerken­ nung der historischen Leistungen - so, wie es ein moderner Historiker tun würde." Die herbe Kritik, die der geschichtsinteressierte fürstliche Landesverweser Carl von In der Maur am Urteil Kaisers über Fürst Johann I. anbrachte, war ungerecht.45 Die Geschichte des Fürstenhauses bei Kaiser beruhte zwar auf dem nur begrenzten Kenntnisstand von 1840, auf der sehr viel unkritischeren Geschichte des Hauses von Schweickhart;46 die spätere Forschung hätte Kaiser zwar gewiss manche Per­ spektive eröffnet - aber darauf kommt es hier nicht an. Eine verhaltene Kritik Kaisers am Fürstenhaus findet sich gleichwohl in der schon bekannten Methode des indirekten Vergleichs. Es war schon die Rede von der grundsätzlichen Adelskritik, die er allerdings anderswo anbrachte, wenn er ade­ lige Fehde und Misswirtschaft dem einfachen und tugendhaften Volk gegenüber­ stellte. Noch einmal sei an sein Lob der brandisischen und sulzischen Zeiten erin­ nert, als Freiherren und Grafen noch unter ihren Vaduzern und Schellenbergern gleichsam wandelten; man lebte in einer kleinen Zahl eng zusammen, die Druck­ möglichkeiten der Herrschaft waren begrenzt. Im Lob der Brandis und Sulz schwingt auch schon das Lob kleinräumiger patriarchalischer Herrschaft. Die Zäsur kam mit den Hohenemsern - und diese haben ihm, wie gezeigt, die Kritik leicht gemacht. Es sei aber auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Kontraste von Kaiser scharf akzentuiert und gelegentlich einseitig gezeichnet wurden. Mit der Betonung des alten Rechts gegenüber dem absolutistischen Neuerungswillen ist ebenfalls eine Grundlinie von Kaisers Fürstenverständnis angeschlagen - Wahrung des Rechts, das als Landesverfassung verstanden wird, ist die vornehmste Aufgabe der Dynastie. So dient das Fehlverhalten der Hohenemser gleichsam als warnende Parabel für das aktuelle Herrscherhaus - dass dieses das Land vor den katastrophalen Folgen der Hohenemser Schuldenpolitik bewahrt und damit seine Unabhänigkeit gesichert hat, tritt bei Kaiser zurück/7 Auch hat die " Kaiser, Geschichte, S. 439-512. Zum Haus Liechtenstein neuerdings: Johann Baptist Büchel, Bilder aus der Geschichte des Fürstenhauses von und zu Liechtenstein, in: JBL 25 (1925), S. 9-115; Peter Geiger, Geschichte des Fürstentums Liechtenstein 1848 bis 1866, in: JBL 70 (1970), S. 5-418; Georg Malin, Die politische Geschichte des Fürstentums Liechtenstein in den Jahren 1800-1815, in: JBL 53 (1953), S. 5—178; Evelin Oberhammer, Die Fürsten von Liechtenstein im 18. Jahrhundert, in: Adel, Bürger und Bauern im 18. Jahrhundert, 2. verb. Aufl., Wien 1980, S. 13-18; Dies.(Hg.), Der ganzen Welt ein Lob und Spiegel. Das Fürstenhaus Liechtenstein in der frühen Neuzeit, Wien/München 1990; Volker Press, Das Haus Liechtenstein in der europäischen Gcschichte, in: Ders./Dictmar Willoweit (Hgg.), Liechtenstein - fürstliches Haus und staatliche Ordnung, Vaduz M987, S. 15-85; Ders., Das Fürstentum Liechtenstein im Rheinbund und im Deutschen Bund 1806-1866, in: LPS 10 (1984), S. 45-106; Rupert Quaderer, Politische Geschichte des Fürstentums Liechtenstein von 1815-1848, in: JBL 69 (1969), S. 5-241; Gustav Wilhelm, Stammtafel des Fürstlichen Hauses Liechtenstein, Vaduz 1965. Ferner immer noch: Jacob (von) (Falke, Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein, 3 Bde., Wien 1868/82. *5 Carl von In der Maur, Feldmarschall Johann Fürst von Liechtenstein und seine Regierungszeit im Fürstentum, in: JBL 5 (1905), S. 149-216. Zu Johann 1. ferner: Oskar Criste, Feldmarschall Johannes, Fürst von Liechtenstein: eine Biographie, Wien 1905; Georg Schmidt, Fürst Johann 1. (1760-1836): "Souveränität und Modernisierung" Liechtensteins, in: Press/Willoweit, Liechtenstein, S. 383-418. 46 Schweickhardt, Darstellung der souverainen Fürsten von und zu Liechtenstein, in: Ameise, Bd. 5 u. 6, Wien 1846. 47 Falke, Liechtenstein, Bd. 2, S. 343—347, Bd. 3, S. 72—78; Otto Seger, Von Hohenems zu Liechtenstein: Der Übergang der Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz von den Grafen zu Hohenems zu den Fürsten von Liechtenstein, in: JBL 58 (1958), S. 91-133; Ders., Zur Erwerbung der Grafschaft 64
        

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