Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/54/
Entdeckung des liechtensteinischen Volkes Gerade deshalb möchte ich die relativ bedeutende Rolle der Landschaften von Vaduz und vom Eschnerberg betonen, wie dies Kaiser, bei allem Stolz, auch sehr moderat und differenziert getan hat. Unverhohlen treten seine Sympathien in jenen Auseinandersetzungen hervor, die die Landschaften zuerst mit den Grafen von Hohenems, dann aber mit den Amt­ leuten der Fürsten von Liechtenstein um ihr altes Recht führten. Das war zunächst leicht, denn die dramatische Misswirtschaft und die zum Teil persönliche Insuffizi­ enz der Hohenemser war offenkundig." Auch erweckte der Württemberger Stephan Christoph Harpprecht (von Harpprechtstein) (1676-1735), der die Neu- strukturierung der Verwaltung in Angriff nahm, das relativ abstossende Bild eines arroganten absolutistischen Bürokraten, der die schweren Konflikte mit Landam- männern und Gerichten, aber auch mit dem Klerus von Vaduz und Schellenberg leichtfertig heraufbeschworen hat - Kaiser versäumt nicht, dies zu betonen." Dass Harpprecht auch noch ein württembergischer Protestant war und in seiner Heimat als schwierig gegolten hatte, unterstreicht die Berechtigung dieses Urteils; hier schlug Kaiser die Töne des Kampfes um das alte Recht an, wie er nach dem Wiener Kongress zwischen dem absolutistischen König Friedrich von Württemberg und den ehemaligen Landständen Württembergs ausgebrochen war.14 Kaiser harte Sinn für bäuerlichen Widerstand im Lande und ausserhalb. Charakteristisch ist sein Urteil über den Bauernkrieg von 1525: Kaiser begrüsste den Freiheitswillen und vor allem die Reichsreformvorstellungen der Bauern, verurteilte aber die chaotischen Formen. Dass es in seiner eigenen Heimat zu einer Erhebung kam, die dann fried­ lich beigelegt wurde, so dass ihr Anführer Georg Pergant sogar zum Landammann von Vaduz aufsteigen konnte," erfüllte ihn mit Stolz - ebenso wie die stets überleg­ ten und rechtlich fundierten Formen, in denen Landammänner und Landgemein­ den die Konflikte mit ihren Obrigkeiten austrugen - freilich waren dies Konflikt­ formen, die der Praxis im Alten Reich entsprachen.* Kaiser hat sie vielleicht als Regieanweisung für sein eigenes Verhalten 1848 betrachtet. Die Darstellung ist scheinbar objektiv. Aber unverkennbar ist der Zug zur Adels­ kritik: an Willkür und Eigensucht. Befriedigt schildert Kaiser, wie etliche Herren, darunter die Grafen von Hohenems und der Fürstabt von Kempten, 1647 bei der schwedischen Eroberung von Feldkirch ihren Besitz verloren - da sie ihn nicht für das Gemeinwohl hatten hergeben wollen.5' Verklärt erscheint ein Fürst wie Kaiser Joseph II.; auch von ihm zeichnet Peter Kaiser, erstaunlich modern, ein differen­ ziertes Bild; er zitiert einen Satz des Habsburgers, der seinem eigenen Credo ent­ spricht.38 Entsprechend verteilt er Noten: der vorbildlichen Herrschaft der Herren 12 Zum Konflikt mit den Hohenemser Grafen: Kaiser, Geschichte 1, S. 391-435. " Kaiser, Geschichte 1, S. 451-511. M Erwin Hölzle, Württemberg im Zeitalter Napoleons und der Deutschen Erhebung, Stuttgart und Berlin 1937; Volker Press, Der württembergische Landtag im Zeitalter des Umbruchs 1770-1830, in: Zeitschr. für württ. Landesgesch. 42, 1983, S. 256-281. 35 Kaiser, Geschichte 1, S. 324, 326. * Winfried Schulze, Bäuerlicher Widerstand und feudale Herrschaft in der frühen Neuzeit, Stuttgart/Bad Cannstatt 1980; Ders. (Hg.), Aufstände, Revolten, Prozesse. Beiträge zu bäuerlichen Widerstandsbewegungen im frühneuzeitlichen Europa, Stuttgart 1983; Peter Blickte, Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München 1988. 57 Kaiser, Geschichte 1, S. 391. " Das Zitat siehe unten S. 68. 61
        

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