Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/53/
Volker Press ner ist grosser als die der Herren, Grafen und Fürsten - dies macht Kaiser so diskret deutlich. Die Stabilität der Namen im Fürstentum zeigt in der Tat eine Kontinuität der Familienverbände von fast europäischer Einmaligkeit, mit der manche Adelsge­ sellschaften nicht konkurrieren können - ein Phänomen übrigens, das nur teilweise genealogisch, aber überhaupt noch nicht sozialgeschichtlich erforscht worden ist." Hier zeigt sich auch die Kontinuität des Eigentums - und das freie Eigentum ist für Peter Kaiser die entscheidende Voraussetzung jeglicher stabilen Gesellschaft. Dieses liberale Credo betont Kaiser wiederholt übrigens schon bei der Diskussion des Mittelalters.26 Damit ist auch sein Blick geschärft für die Bedeutung von Steuer und Erbrecht, für die der Maurener Bauernsohn gewiss ohnehin ein erhebliches Verständnis mitgebracht hat." Auch von da begreift Kaiser die Autonomie von Gemeinden und Landschaften. Die Landschaften von Vaduz und vom Eschnerberg und ihre Landammänner als Repräsentanten des Volkes bildeten ein Gegengewicht gegen die Adelswelt österreichischer Observanz, nachdem die beiden Herrschaften in sie, und nicht in die Bünde jenseits des Rheins, einbezogen worden sind. Das frei­ heitliche Element, das die seit dem 15. Jahrhundert entstehende Rolle der Land­ schaften mitbringt, betont Kaiser stark, auch wenn er durchaus eingesteht, dass die Landesverfassung von Vaduz und Schellenberg nicht zu unterschätzende Kompo­ nenten herrschaftlicher Mitsprache hatte. Aber es dominierte doch ein liberales Geschichtsbild - aus dieser Perspektive sieht er die Vorfahren, die, ehrlich und bieder, ihr überkommenes Recht gegen die Ansprüche der Herrschaft verteidigten. Kaiser hat in seiner Beurteilung der Landammannsverfassung ein sachliches Urteilsvermögen und eine erhebliche Differenzierungsfähigkeit bewiesen, wohl auch erwachsen aus der eigenen Anschauung - doch die endgültige Eigenstaatlich­ keit Liechtensteins seit 1866 hat verhindert, dass Kaisers Modell von der deutschen Geschichtsforschung rezipiert wurde; das ist bedauerlich, denn gerade Vaduz und Schellenberg hatten eine sehr ausgeprägte Form bäuerlicher Repräsentation. Lange galt Kempten, auch dank der Erwähnungen bei Johann Jakob Moser und Johann Baptist Hagenmüller, als vereinzeltes Beispiel im Alten Reich.20 Erst 1973 hat Peter Blickle dargetan, dass es eine ganze Anzahl von Landschaften in Südwestdeutsch­ land gab'9 - auch die Landschaften an der Nordseeküste sind in der Folge verstärkt untersucht worden.30 Meines Erachtens hat Blickle, in der liberalen Tradition, die Rolle der Landschaften etwas zu optimistisch gesehen; dies hat zu einer Kontro­ verse geführt, an der der Verfasser mit einem etwas kritischeren Bild beteiligt war.}l 2i Dies wäre ein dringendes Desiderat der Erforschung liechtensteinischer Geschichte. 16 Leider hat Arthur Brunhart in seiner aknbischen Arbeit den Begriff "Eigentum" im Register nicht ausgeworfen. Die Belege sind jedoch zahlreich. 17 Die Begriffe "Steuer" und "Erbrecht" eingehend nachgewiesen bei Brunhart. 28 Haggenmüllcr, Geschichte Kemptens, Bd. 2, S. 263-273 und öfter. Vgl. auch: Franz Ludwig Baumann, Geschichte des Allgäus, Bd. 3, Kempten 1895, S. 284-293; Josef Rottenkolber, Geschichte des Allgäus, München 1951, S. 275 f. Zuletzt grundlegend: Peter Blickle, Landschaft im Alten Reich. Die staatliche Funktion des Gemeinen Mannes in Oberschwaben, München 1973, S. 316-390. 29 Blickle, Landschaften. >0 Kersten Krüger, Die landschaftliche Verfassung Nordelbiens in der Frühen Neuzeit: Ein besonderer Typ politischer Partizipation, in: Civitatum Communitas, Studien zum europäischen Städtewesen, Festschrift Heinz Stoob, Teil 2, Köln/Wien 1984, S. 458-487. 51 Volker Press, Herrschaft, Landschaft und "Gemeiner Mann" in Oberdeutschland vom 15. bis zum frühen 19. Jahrhunden, in: Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 122 (1975), S. 169-214. Zur Kontro­ verse zuletzt: Werner Trossbach, Bauern 1648-1806, München 1993, S. 78-87. 60
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.