Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/51/
Volker Press nung der Schweiz vom Reich spielen eine Rolle. Aber daneben stehen immer wie­ der Land und Volk, die unter diesen Auseinandersetzungen zu leiden hatten - unverhüllt wird deutlich, wem Kaisers Sympathie gehört: den einfachen, stolzen, redlichen und tapferen Menschen seiner Heimat. Diesen hat er am Anfang des sich auf das Fürstentum Liechtenstein konzentrierenden Teils auch eine eindringliche Schilderung gewidmet. Unterstrichen wird diese Tendenz noch durch die Einbettung der liechtensteini­ schen in die churrätische Geschichte. Kaisers Darstellung ist ohne Zweifel von einem vornationalistischen deutschen Patriotismus getragen, den zu analysieren hier nicht geleistet werden kann. Unverkennbar ist Kaisers Begeisterung für das mittelalterliche Reich und seine Herrscher, auch unverkennbar seine Enttäuschung über den Niedergang in der frühen Neuzeit, aber auch über den Deutschen Bund. Es sind immer wieder indirekte Kontraste, mit denen Kaiser in seiner Darstellung arbeitet. Man greift hier ein wichtiges Stilmittel des Historikers: Kaiser beleuchtet so durch Schilderung der Alternativen das Gewordene kritisch, eine Methode, die das ganze Buch durchzieht. Das Alte Reich ist ein wichtiger Bezugspunkt seines Denkens, ebenso wie die Kirche - Kaisers Urteil ist jedoch von aufklärerischer Gelassenheit. Umso bemer­ kenswerter ist es, dass Kaiser die Geschichte Liechtensteins aus einer schweize- risch-graubündischen Perspektive schreibt. Das ist zunächst von seiner eigenen Biographie und seiner beruflichen Wirksamkeit in der Schweiz her nicht erstaun­ lich. Aber er hat in seiner Darstellung doch die bekannte Tatsache scharf herausge­ arbeitet, dass die Anbindung seiner einst romanisch sprechenden Heimat an schwä­ bische Adelsgeschlechter dieses Land schliesslich nicht in die Eidgenossenschaft, sondern in das österreichische Klientelsystem geführt hat. Man hätte, und das hätte 1847 eher nahegelegen, auch eine liechtensteinische Geschichte aus österreichisch- vorarlbergischer Perspektive schreiben können, und diese wäre sicher auf mehr offizielles Wohlwollen gestossen. Um klarzumachen, was das bedeutet, sei hier auf Kaisers historiographischen Stil eingegangen. Er stellt zurückhaltend, sich bescheidend dar, nimmt anscheinend an den Ereignissen nur geringen emotionalen Anteil. Aber in Auswahl und Perspek­ tive hat das Buch eine klare politische Konzeption, auch wenn es jede plumpe Pro­ vokation vermeidet. Zuweilen äussert sich Kaiser allerdings auch recht deutlich. Aber mit seinen Formulierungen verleiht er mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Geschichte Beispielcharakter, und so steckt hinter der scheinbar unparteiischen Diktion eine starke Suggestivkraft - so wie Kaiser es sieht, muss es wohl auch gewe­ sen sein. Damit aber gewann seine schweizerisch-graubündische Perspektive ein besonderes Gewicht, denn sie stellt sozusagen die Alternative zum fürstlichen Ter­ ritorialstaat dar, der Liechtenstein schliesslich geworden ist. Vor Augen ist ihm immer die Uberwindung des Bischofs von Chur durch die drei Bünde und seine reduzierte Territorialherrschaft - ebenso wie die halbwegs erfolgreiche Erhebung der Toggenburger gegen den Fürstabt von St. Gallen. Mit Stolz vermerkt Kaiser die Einbindung der Landschaft am Eschner Berg in den Toggenburger Bund und ihren Beitrag zum Appenzeller Krieg am Anfang des 15. Jahrhunderts.19 Hier hatte sich noch einmal die Alternative offen gestellt. 19 Kaiser, Geschichte 1, S. 214-221 (fortan zitiert nach den auch von Brunhart übernommenen Seilen­ zahlen der Erstausgabe). 58
        

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