Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/50/
Entdeckung des liechtensteinischen Volkes tenstein" veröffentlichte.1* Gegenüber den zeitgenössischen Werken über kleine Territorien fällt auf, dass der Akzent keineswegs auf einer dynastischen Geschichte liegt - das war untypisch für den Deutschen Bund, denn zu ihm und nicht zur Schweiz gehörte bekanntlich das Fürstentum, untypisch auch für das Umfeld Österreichs. Ahnliche Tendenzen zeigt die vergleichbare Arbeit von Johann Baptist Hagenmüller", der gegenüber den Abten die Kraft der Reichsstadt Kempten, aber auch den Kampf der stiftischen bäuerlichen Landschaft um ihre Autonomie hervor­ hob, wobei übrigens der Kemptener Abt Rupert von Bodman, hier eine Gestalt des landesfürstlichen Absolutismus, eine ganz andere Rolle spielte als in Vaduz und Schellenberg." Bemerkenswerterweise trafen sich Kaiser und Hagenmüller 1848 in der Frankfurter Paulskirche wieder'5 - der einstige deutsche Patriot vornationa­ listischer Prägung bekannte sich danach endgültig zum Kleinstaat, aber er trat gegen Ende seines Lebens auch aus dem liechtensteinischen Untertanenverband aus. Sein Buch hatte wenig Beifall bei der fürstlichen Kanzlei gefunden; Rupert Ritter wies darauf hin, dass es noch vor dem Ersten Weltkrieg verpönt war.16 Bekanntlich hat noch in diesem Jahrhunden der Kanonikus Johann Baptist Büchel dieses Werk "entschärft".17 Und doch hat es eine beträchtliche Wirkung auf Liechtenstein und die Liechtensteiner ausgeübt; es wurde geradezu zu einem identitätsstiftenden Sym­ bol. Erst zwischen den Kriegen und im Zweiten Weltkrieg kam der Historiker aus Mauren sozusagen offiziell zu Ehren, als 1943 Regierungschef Hoop seine Gedenk­ tafel, Fürstin Gina 1955 feierlich seine Büste im Heimatdorf Mauren enthüllten, ein Symbol des gewandelten Verhältnisses zwischen Fürst und Volk seit der Zeit des Ersten Weltkriegs." Dass die fürstlichen Beamten des 19. Jahrhunderts dem Buch wenig abgewinnen konnten, beruht nicht nur auf einer kritischen Schilderung eines Vorfahren des Landesverwesers In der Maur - Beamtenkritik ist ein wesentliches Element von Kaisers Darstellung. In ihrem Mittelpunkt steht das liechtensteinische Volk. Gewiss, gerade in den ersten zwei Dritteln des Buches nehmen die oft kaum nachvollziehbaren Auseinan­ dersetzungen des Adels in der hochexplosiven Grenzzone zwischen habsburgischer Macht einerseits und Eidgenossenschaft und rätischen Bünden andererseits einen beträchtlichen Raum ein, vor allem die Fehden des Adels, der Prozess der Abtren­ 11 Peter Kaiser, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätiens Vorzeit, Chur 1847. Reprints Nendeln 1974, Ruggell 1983. Kritische Ausgabe von Arthur Brunhart, vgl. Anm. 7. Johann Baptist Haggenmüller, Geschichte der Stadt und der gefiirsteten Grafschaft Kempten von den ältesten Zeiten bis zu ihrer Vereinigung mit dem bayerischen Staate, 2 Bde., Kempten 1840/47. Nach­ druck: Kempten 1988. 14 Zuletzt: Otto Seger, Rupert von Bodman, Fürstabt von Kempten in seinem Wirken für unser Land, in: JBL 78 (1978), S. 183-201. 15 Josef Rotienkolber, Johann Baptist Haggenmüller, in: Lebensbilder aus dem bayerischen Schwaben, Bd. 1, München 1952, S. 365-370. ,fc Ritter, Kaiser (wie Anm.7). 17 Peter Kaiser, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein, 2. verb. Auflage, besorgt von Johann Baptist Büchel, Vaduz 1923. Johann Baptist Büchel war ein vorzüglicher Kenner der liechtensteini­ schen Geschichte. Eine Bibliographie bei Kaiser, Geschichte, hg. v. Brunhart, Bd. 2, S. 540 f. 1894 und 1912 hatte J.B. Büchel bereits Darstellungen der Geschichte Liechtensteins veröffentlicht, die freilich an die Qualität der Kaiserschen nicht heranreichen. " Liechtenstein 1938-1978, Bilder und Dokumente, Vaduz 1978, S. 224. 57
        

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