Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/49/
Volker Press Montfort und Werdenberg6, um vor allem die schwäbische Nachbarschaft Liechten­ steins zu zitieren. Auch in der Schweiz hat man die untergegangene, nur noch redu­ ziert fortbestehende Welt der alten Eidgenossenschaft oder auch der rätischen Bünde aus einer romantischen Perspektive betrachtet. Die Regionen, die durch die kleingesplitterte Welt des Alten Reiches bestimmt gewesen waren, suchten ihre Wurzeln. Peter Kaiser7 waren diese Bemühungen nicht fremd; er kannte Vanotti8, den Historiker Montforts, vor allem aber Ernst Münch9, der sich in einer Vielzahl von Publikationen dieser untergegangenen Welt widmete und auch eine Geschichte der Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen schrieb. Münch war ein alter Freund Kaisers, verliess allerdings später die gemeinsamen liberalen Grundlagen und nahm durchaus Züge des Hofhistoriographen an. Die Beschwörung der Bedeutung der mediatisiertcn Häuser kritisierte indirekt die nivellierenden und zentralisierenden Tendenzen der von Napoleon gross gemachten Rheinbundstaaten - auch hier wird deutlich, dass Spannungen dazu halfen, sich der Geschichte bewusster zu werden. Hinzu kam die Adelsgeschichte: Münch schrieb auch über Franz von Sickingen und gehörte damit zu einer noch lange nachwirken­ den Ritterromantik. Ferner gab es auch eine nicht zu unterschätzende Literatur zur Reichsstadtgeschichte, die die glanzvolle Vergangenheit beschwor - wie etwa Hein­ rich Ruckgaber, der in seiner trefflichen Geschichte der Reichsstadt Rottweil über den Wandel reflektierte.10 Schon die Beziehungen zu Vanotti und Münch machen deutlich, dass Peter Kaiser in diesen Kontext gehört." Seine Prägung erfuhr er gleichermassen durch die Heimat, durch Süddeutschland, durch Österreich und durch die Schweiz, speziell durch St. Gallen und Graubünden; die Schweiz verpflichtete den liberalen Pädago­ gen stärker den republikanischen Traditionen der Eidgenossenschaft. Von seiner Biographie her stand also Kaiser bereits in einem Spannungsfeld, als er 1847 am Vorabend der europäischen Revolution seine "Geschichte des Fürstenthums Liech­ 4 Johann Nepomuk Vanotti, Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg. Ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündens, der Schweiz und Vorarlbergs, Constanz 1845, Nachdr. Bregenz 1988. 7 Zu Kaiser vor allem: Roben Allgäuer, Peter Kaiser (1793-1864). Beiträge zu einer Biographie, in: JBL 63 (1964), S. 7-61; Erinnerung an Peter Kaiser und Karl Schädler. Feier in der Paulskirche zu Frankfurt, Liechtensteinische Akademische Gesellschaft, Kleine Schriften 9, Vaduz 1984; Peter Geiger, Geschichte des Fürstentums Liechtenstein 1848-1866, in: JBL 70 (1970), S. 5-418; Franz Josef Kind, Peter Kaiser (1793-1864), in: JBL 5 (1905), S. 3-38; Graham Martin, Liechtensteinische Pädagogen im Ausland, in: JBL 67 (1967), S. 111-180; Iso Müller, Geistesgeschichtliche Studie über Peter Kaiser, in: JBL 44, 1944, S. 67-91; Ders., Rector Peter Kaiser. Charakteristik aus Dokumenten von 1838-1842, in: JBL 63 (1964), S. 63-132; Rupert Ritter, Peter Kaiser, sein Leben und Wirken, in: JBL 44 (1944), S. 5—35. Zuletzt: Arthur Brunhart, Peter Kaiser und seine "Geschichte des Fürstentums Liechtenstein" in: Peter Kaiser, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien's Vorzeit. Neu herausgegeben von Arthur Brunhart, 2 Bde., Vaduz 1989, hier Bd. 1, S. IX-XXXII. 8 Johann Nepomuk Vanotti (1777—1847), Württembergischer Geistlicher und Politiker. ADB 39 1895 S. 484 f. 9 Ernst Hermann Joseph Münch (1798-1841). ADB 32, S. 714-716; Emst Hermann Joseph Münch, Erinnerungen, Lebensbilder und Studien aus den ersten 33 Jahren eines teutschen Gelehrten, 3 Bde., Carlsruhe 1836/38. Münch war Aargauer, dann Professor an der Kantonsschule in Aarau und an den Universitäten Freiburg und Lüttich, später Bibliothekar in Stuttgart. 13 Heinrich Ruckgaber, Geschichte der Frei- und Reichsstadt Rottweil, 2 Bde., Rottweil 1835. 11 Zur Biographie Kaisers: vgl. die in Anm. 7 zitierte Literatur. 56
        

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