Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/42/
Dieter Langewiesche Deutschen Bundes erstmals 1848 in der Revolution entstehen.16 Aber sie waren vor­ bereitet. Zeitschriften und Vereine dienten als Kristallisationspunkte für die Früh- formen politischer Parteiungen.17 Peter Kaiser stand ganz am Rande dieses liberalen Reforminstrumentariums. Journalisten schätzte er nicht. Wenn er einen Gegner im Schuldienst als "ehemaligen Zeitungsschreiber"ls bezeichnete, so war das abfällig gemeint. Den Beruf des Lehrers schätzte er höher - höher wohl als jede Form der Politik. Seine Lebensaufgabe als Lehrer war ihm im November 1848 auf jeden Fall wichtiger als sein Abgeordnetenmandat in der Frankfurter Nationalversammlung. Vor die Wahl gestellt zwischen seinem Amt als Lehrer in Chur und seinem Liech­ tensteiner Mandat in der Paulskirche, entschied er sich für die Schule,19 und damit gegen die aktive Politik, in die er 1848 hineingezogen wurde - so muss man es wohl nennen - hineingezogen, denn aus eigener Initiative scheint er auch jetzt, zu Revo­ lutionsbeginn, nicht in die Politik gegangen zu sein. Warum holten sich die Liechtensteiner im März 1848 ausgerechnet Peter Kaiser als Präsidenten in den Landesausschuss, die Führungszentrale der Liechtensteiner Revolutionsbewegung?20 Verfolgt man den bisherigen politischen Lebensweg Kai­ sers, so war diese Rolle, in die er hineingestellt wurde, alles andere als selbstver­ ständlich. Studentische Gesinnungspolitik in Freiburg 1817 bis 1819, eine Politik der starken Worte und der poetischen Umhüllung21, dann dreissigjähriges politi­ sches Schweigen bis 1848, kurz unterbrochen durch seine Beteiligung an einer Drei­ erdelegation, die von den Gemeinden Liechtensteins 1840 nach Wien gesandt wurde, um dem Fürsten Reformwünsche vorzutragen.22 In diese dürren Worte las­ sen sich Peter Kaisers politische Aktivitäten bis März 1848 zusammenfassen. Sein politisches Leben in Liechtenstein war also ausserordentlich kurzlebig: 1840 als 16 Vgl. Dieter Langewiesche, Die Anfänge der deutschen Parteien. Partei, Fraktion und Verein in der Revolution von 1848/49, in: Geschichte und Gesellschaft 4, 1978, S. 324-361. 17 Grundlegend zum Vereinswesen ist Thomas Nipperdey, Verein als soziale Struktur in Deutschland im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, in: Nipperdey, Gesellschaft, Kultur, Theorie. Gesammelte Auf­ sätze zur neueren Geschichte (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 18), Göttingen 1976, S. 174—205; Wichtige neuere Studien: Carola Lipp, Verein als politisches Handlungsmuster. Das Bei­ spiel des württembergischen Vereinswesens von 1800 bis zur Revolution 1848-1849, in: Geselligkeit, Vereinswesen und Bürgerliche Gesellschaft in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, 1750-1850, sous la direction d'Iitienne Fran^ois, Paris 1986, S. 275-296; Wolfgang Hardtwig, Strukturmerkmale und Entwicklungstendenzen des Vereinswesens in Deutschland 1789-1848, in: Vereinswesen und bür­ gerliche Gesellschaft in Deutschland, hg. v. Otto Dann, (Historische Zeitschrift Beiheft 9), München 1984, S. 11-50. 18 Brief Peter Kaisers an Alois de Latour vom 20. Februar 1842, abgedruckt bei P. Iso Müller, Rector Peter Kaiser. Charakteristik aus Dokumenten von 1838 bis 1842, in: JBL 63, 1964, S. 63-132, 83, vgl. S. 91. Hervorhebung von Kaiser. 19 Vgl. Franz Josef Kind, Peter Kaiser (1793-1864), in: JBL 5, 1905, S. 5-38,32. 20 Grundlegend zur Revolution und zur nach-revolutionären Geschichte Liechtensteins bis zum Ende des Deucschen Bundes ist Peter Geiger (wie Anm. 2). Auf dieser Züricher Dissertation beruhen alle folgenden Angaben zur Revolutionsbewegung in Liechtenstein. Den besten knappen Gesamt­ überblick über die Revolution in Deutschland vermittelt Wolfram Siemann, Die deutsche Revolution von 1848/49, Frankfurt/M 1985; umfassender Forschungsbericht: Dieter Langewiesche, Die deutsche Revolution von 1848/49 und die vorrevolutionäre Gesellschaft: Forschungsstand und Forschungsper- spekciven, in: Archiv für Sozialgeschichte 21, 1981, S. 458-498; Teil II: ebd. 31, 1991, S. 331-443. 21 Vgl. die bei Allgäuer (wie Anm. 1), S. 25 f., 49—56, abgedruckten Lieder und Gedichte Peter Kaisers aus der Freiburger Zeit. 22 Geiger (wie Anm. 2), S. 45; Rupert Quaderer, Politische Geschichte des Fürstentums Liechtenstein von 1815 bis 1848, in: JBL 19, 1969, S. 107 f. 48
        

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