Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/40/
Dieter Langewiesche trast nachzudenken, lohnt sich, denn er kann uns einigen Aufschluss geben über die Signatur politischen Lebens im damaligen Fürstentum Liechtenstein.3 Was heisst Politik damals unter den Bedingungen eines bäuerlich geprägten Kleinstaates? Denn darum geht es, wenn wir uns von Peter Kaiser als Politiker ein Bild machen wollen: ein Bildungsbürger in einem bäuerlichen Fürstentum. Welche Möglichkei­ ten besass er, politisch zu wirken? Doch bevor dazu einige Überlegungen vorgetragen werden, sei zuvor in Erinne­ rung gerufen, was uns von Peter Kaiser als politischem Menschen überliefert ist. Viel ist es nicht. Und neu gar nichts - schon lange nicht mehr. Was über Peter Kai­ ser als Politiker zu erfahren ist, wurde und wird seit langem von Autor zu Autor weitergereicht. Neues zu entdecken, scheint nicht mehr möglich zu sein. Auch dies ein Indiz für die sehr begrenzten politischen Handlungsmöglichkeiten damaliger Bildungsbürger unter kleinstaatlich-agrarischen Bedingungen. Mit politischen Ideen in Berührung kam er erstmals wohl als Student in Freiburg im Breisgau. Robert Allgäuer hat dies umfassend dargestellt.' Kaiser wurde zum Mitbegründer der dortigen Burschenschaft und zu einem ihrer entschiedensten Wortführer.4 Den "National-Sinn der Deutschen"6 zu stärken, war eines ihrer zen­ tralen Ziele. Politische Wirkung nach aussen, in die Gesellschaft hinein, wurde die­ sen jungen Studenten versperrt - nicht nur vom Deutschen Bund, der unter Führung Metternichs repressiv gegen politische Bestrebungen jeder Art vorging, auch die Bevölkerung war nur in sehr begrenztem Masse für solche Politisierungs­ versuche empfänglich. Politisch sein, hiess für die jungen Burschenschafter um Peter Kaiser in erster Linie, die Freundschaft untereinander zu kultivieren und im kleinen Kreis für eine bessere Zukunft einzutreten. Der im März 1818 von acht Stu­ denten gegründete "Verein zur Bewahrung wissenschaftlicher Gegenstände" setzte sich zwar politische Ziele - man erstrebte einen aufgeklärten, aus der Abhängigkeit von Rom gelösten Katholizismus, wollte fremde Sitten, insbesondere den französi­ schen Einfluss auf die Politik verdrängen und der deutschen Nation ein geistiges und wissenschaftliches Zentrum schaffen doch nur ausnahmsweise trat man öffentlich auf. So bildete man 1818 am Wartenberge bei Donaueschingen die Wart­ burgfeier von 1817 nach. Peter Kaiser hatte ein Vaterlandslied verfasst und hielt eine flammende Rede,7 doch man blieb unter sich. Eine breitere Öffentlichkeit konnten die deutschen Studenten damals generell nicht erreichen.8 "Du weisst selbst," 1 Vgl. als Überblicke Georg Schmidt, Fürst Johann 1. (1760-1836): "Souveränität und Modernisierung" Liechtensteins, in: Volker Press u. Dietmar Willoweit (Hg.), Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Geschichtliche Grundlagen und moderne Perspektiven, Vaduz 1987, S. 383-418; Volker Press, Das Fürstentum Liechtenstein im Rheinbund und im Deutschen Bund (1806-1866), in: Liechtenstein in Europa (Liechtenstein Politische Schriften, Bd. 10), Vaduz 1984, S. 46-106. 4 Allgäuer (wie Anm. 1), S. 19 ff. 5 Grundlegend dazu ist Paul Wentzcke, Die Anfänge der Freiburger Burschenschaft (Quellen und Dar­ stellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Bd. III), Heidel­ berg 1912. 6 Aussage eines Freundes von Kaiser, zit. bei Allgäuer (wie Anm. 1), S. 28. 7 Vgl. ebd. S. 22-27 (mit Literatur und archivalischen Quellenverweisen) sowie Wentzcke (wie Anm. 5), S. 10 ff. und Emil Müller, 90 Jahre burschenschaftliche Entwicklung in Freiburg i. Br., Varel i. O. 1908, S. 10-12. * Vorzüglich, mit neuen Perspektiven, zu der frühen Studentenbewegung: Wolfgang Hardtwig, Krise der Universität, studentische Reformbewegung (1750-1819) und die Sozialisation der jugendlichen deutschen Bildungsschicht, in: Geschichte und Gesellschaft 11, 1985, S. 155-176, 170; Ders., Studen­ tische Mentalität - Politische Jugendbewegung - Nationalismus. Die Anfänge der deutschen 
Bur- 46
        

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