Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/39/
Peter Kaiser als Politiker "Betrachte ich unsere Lage, unsere Verhältnisse genau, so finde ich, dass sie keineswegs so schlimm sind, als man selbe glauben macht. Was uns vorzüglich fehlt, das ist Muth und Vertrauen auf uns selbst, Vertrauen auf die göttliche Vorse­ hung. Wenn das Land auch klein, arm und verschuldet ist, so hat es doch auch wieder Hülfsquellen, und diese liegen in der Fruchtbarkeit des Landes und in unserer eigenen Kraft. Es hat bei seiner Kleinheit viele Ubelstände nicht, die grosse Länder drücken. Das Land erfreut sich einer glücklichen Ruhe, seine Bürger haben Gesetz und Ordnung und Recht gewissenhaft zu erhalten gesucht, was nach den Beispielen, die die anderen deutschen Länder vom Gegentheil geben, nichts Kleines ist. Es ist eine Ehre für alle, die in unserem Lande wohnen, dass der Sinn für Freiheit nicht ausgeartet ist in Zügellosigkeii und Gesetzlosigkeit. (...) Unsere Aufgabe muss sein, mitten in den Stürmen, die um uns toben, die Ruhe zu erhalten und nie von der Bahn des Rechts abzu­ weichen. Wo kein Gesetz und Recht geachtet ist, da ist Will­ kür, Gewalt und Tyrannei. Wir können unsem Zustand nicht wesentlich verbessern, wenn wir uns an einen grössern Staat anschli essen, sobald uns das allgemeine deutsche Bürgerrecht und der freie Ver­ kehr gesichert ist. Wir müssen trachten, unser Glück uns sel­ ber zu verdanken. (...) Wenn wir unsem Vortheil recht ver­ stehen, können wir ein VölkJein vorstellen, das Niemandem gefährlich ist, aber doch Allen Achtung abnöthigt." (Aus Peter Kaisers 'Politischem Testament' s.Anmerkung 36.) Als Erzieher, als Historiker, in seinen politischen Nachwirkungen im 20. Jahrhun­ dert - in diesen Rollen ist Peter Kaiser deutlich zu erkennen. Die Beiträge in diesem Band bezeugen es. Als Politiker in seiner eigenen Zeit tritt er hingegen aus den ver­ fügbaren Quellen nur recht schemenhaft hervor. Das ist ein merkwürdiger Kon­ trast. Peter Kaiser, der "bedeutendste Liechtensteiner des 19. Jahrhunderts" wie er von kompetenter Seite genannt wurde,' eine Gestalt, die "überragend das Gesche­ hen während der Revolution in Liechtenstein bestimmte" wie wir bei einem ande­ ren ebenso kundigen Autor lesen2 - dieser Peter Kaiser bleibt als politisch Han­ delnder für uns, wenn wir uns an die Quellen halten, recht blass. Über diesen Kon­ 1 Robert Allgäuer, Peter Kaiser (1793-1864). Beiträge zu einer Biographie, in: JBL 63, 1964, S. 7-61, 46. 2 Peter Geiger, Geschichte des Fürstentums Liechtenstein 1848 bis 1866, in: ebd. 70, 1970, S. 5-418, 43. 45
        

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