Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/35/
Politisches Wirken phierend präsentierte er deutschnational und grossdeutsch klingende liechtensteini­ sche Zitate aus dem 19. Jahrhunden, so aus der "Liechtensteinischen Landeszei­ tung" aus Schriften des Maurer Juristen Franz Joseph Oehri, aus Briefen des Kom­ ponisten Josef Rheinberger sowie aus Peter Kaisers Geschichtswerk von 1847." Diese historischen Puzzlestücke passten randscharf in die nationalsozialistische Propaganda. Dass sie freilich aus einem ganz anderen Gesamtpuzzle genommen waren, schien nicht zu stören. Das "elementare Deutschbewusstsein" der Vorfahren sei nur vom "judenhörigen 'modernen' Liechtensteinertum" zugeschüttet worden; "Liechtensteinertum und Deutschtum" müssten wieder eins werden im Geiste Hit­ lers und des Nationalsozialismus." So ging die "Umbruch"-Argumentation. Ange­ fügt sei, dass die bis 1866 bestehende Zugehörigkeit Liechtensteins zu Deutschland durchaus eine Rolle für eine weiterwirkende Ausrichtung auf Deutschland, teil­ weise eben über 1933 hinaus, spielte.5* In Nummer 11 des "Umbruch" vom 14. Dezember 1940 legte dann die Landes­ leitung der "Volksdeutschen Bewegung" unter dem Titel "Untergang und Verar­ mung unseres Volkes oder Nationalsozialismus" ihre detaillierten Sofortforderun­ gen vor, welche das Land vollständig "nach nationalsozialistischen Grundsätzen" umbauen sollten. Und die Landesleitung schloss mit einem Aufruf an Regierung, Landtag und Landesschulrat: "(...) Hört endlich auf den Führer unserer deutschen Nation, hört auf seine Sozial- und Wirtschaftsgrundsätze (...) Hört endlich auf die Stimmen unserer Vorfahren, hört auf unseren Peter Kaiser, hört auf Josef Rheinberger (...)"" Das war im Herbst 1940, die Achse dominierte in Europa, Hitlers Bomber flogen gegen England, viele erwarteten eine lange deutsche Dominanz in Europa. Die Gegner überliessen jedoch Peter Kaiser nicht den triumphierenden, werben­ den Nationalsozialisten. Vier Wochen nach den deutschvölkisch instrumentalisier­ ten Kaiser-Zitaten im "Umbruch" und am selben Tage, da der obgenannte Aufruf der Landesleitung der "Volksdeutschen Bewegung", auf Peter Kaiser zu hören und Hitler zu folgen, im "Umbruch" erschien, brachte das "Liechtensteiner Volksblatt" einen Leitartikel mit dem Titel "Lebendiges Liechtensteiner-Erbe", in welchem auch Peter Kaiser zitiert wurde, und zwar mit dessen Brief "An meine Landsleute". Was Kaiser einst im Herbst 1848 - angesichts der von der Paulskirche ausgehenden Gefahren - geschrieben hatte, das bezog der Leitartikler nun seinerseits auf die bedrohliche Gegenwart des Kriegsherbstes 1940, Kaisers Worte wiedergebend: "Wir können unsern Zustand nicht wesentlich verbessern, wenn wir uns an einen grösseren Staat anschliessen (...) Wir müssen trachten, unser Glück uns selbst zu verdanken. Auch ein kleines Völklein vermag viel und macht sich wohlgefällig vor Gott und den Menschen. (...) Es (das Land) hat bei seiner Kleinheit viele Ubelstände nicht, die grosse Länder drücken."61 57 "Das Bekenntnis unserer Vorfahren", Artikelreihe von Rudolf Schaedler in 'Der Umbruch', Nr. 4, 26. Okt. 1940; Nr. 5, 2. Nov. 1940, Nr. 7, 16. Nov. 1940 (hierin zu Peter Kaiser); Nr. 9, 30. Nov. 1940. M "Das Bekenntnis unserer Vorfahren* {von Rudolf Schaedler), 'Der Umbruch', Nr. 9, 30. Nov. 1940. s* Vgl. hierzu Geiger 1970, JBL 70, S. 401. w 'Der Umbruch', Nr. 11, 14. Dez. 1940. hl 'Liechtensteiner Volksblatt', 14. Dez. 1940: "Lebendiges Liechtensteiner-Erbe." 39
        

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