Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/34/
Peter Geiger habe.51 1918 befasste sich Gustav Matt im Jahrbuch des Liechtensteiner Vereins von St. Gallen und Umgebung mit Peter Kaiser." Und 1923 endlich erschloss der pro­ duktive liechtensteinische Geschichtsschreiber Johann Baptist Büchel Peter Kaisers Werk seinem Lande neu, indem er Kaisers "Geschichte des Fürstenthums Liechten­ stein" in zweiter, "verbesserter" Auflage herausgab." Bezeichnenderweise fällt die nächste Phase intensiver und auch politischer Beschäftigung mit Peter Kaiser dann in den Zweiten Weltkrieg. 2. Instrumentalisierung Peter Kaisers im Zweiten Weltkrieg Kaisers Werk, sein Handeln, seine Ideen und Aussagen54 haben sich im 20. Jahrhun­ dert nicht nur als interessant, sondern auch als politisch nutzbar und zitatwürdig erwiesen. Wie man Peter Kaiser zu vereinnahmen und zu instrumentalisieren ver­ suchte, sei hier für die Zeit des Zweiten Weltkrieges gezeigt. In der Zeit des Nationalsozialismus spielten Begriffe wie "Volk", "völkisch" "national" eine grosse Rolle. Das Deutsche Reich unter Hitler erhob einen tota­ litären Anspruch auf das "Volk" aller Deutschsprachigen. Lebten solche ausserhalb des Reiches, hiessen sie "Volksdeutsche". Die hiesigen Anhänger des Nationalsozia­ lismus organisierten sich von 1938 bis 1945 als "Volksdeutsche Bewegung in Liech­ tenstein"55 Sie griffen sich aus der Geschichte, was nützlich war. Hierbei kam auch Peter Kaiser gerade recht. Vom Herbst 1940 an erschien während knapp drei Jahren als Zeitung dieser Bewegung "Der Umbruch". Ein durchgehendes Thema im "Umbruch" waren Betonung und Nachweis, dass Liechtenstein "deutsch" sei durch und durch. Liech­ tenstein ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland, hiess es. Es sei lächerlich, einen rein "liechtensteinischen Menschen" zu erdichten, wie dies die Gegner des Nationalsozialismus versuchten.46 Ein liechtensteinischer Nationalsozialist führte in einigen der ersten "Umbruch"- Nummern den historischen Nachweis liechtensteinischen "Deutschtums". Trium­ 51 Karl (sie) von In der Maur, Feldmarschall Johann Fürsi von Liechtenstein und seine Regierungszeit im Fürstentum, in: JBL 5, Vaduz 1905, S. 149 ff., hier 153. " Gustav A. Matt, Peter Kaiser, in: Jahrbuch des Liechtensteiner Vereins von St. Galten und seiner Umgebung 1918, S. 7-15. 55 Peter Kaiser, Gcschichtc des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien's Vorzeit, 2., verb. Aufl., besorgt von Johann Baptist Büchel, Vaduz 1923. 54 Siehe die weitere Literatur zu Peter Kaiser in den bibliographischen Zusammenstellungen bei Brun­ hart/Kaiser 1989, Bd. 2, S. XXXI-XXXII, und Bd. 1, S. 535 ff. - Siehe zur Peter Kaiser-Forschung auch die Einleitung in diesem Band, oben, S. 8 ff. 55 Vgl. Joseph Walk, Liechtenstein 1933-1945. Nationalsozialismus im Mikrokosmos, in: Ursula Büttner (Hrsg.), Das Unrechtsregime. Internationale Forschung über den Nationalsozialismus, Bd. I, Ham­ burg 1986, S. 376-425. - Horst Carl, Liechtenstein und das Dritte Reich. Krise und Selbstbehauptung des Kleinstaates, in: Volker Press/Dietmar Willoweit (Hrsg.), Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung, Vaduz/München/Wien 1988, S. 419-464. - Gerhard Krebs, Zwischen Fürst und Führer. Liechtensteins Beziehungen zum 'Dritten Reich', in: Geschichte in Wissenschaft und Unter­ richt, 1988, Nr. 9, S. 548-567. - Adulf Peter Goop, Liechtenstein gestern und heute, Vaduz 1973. - Peter Geiger, Anschlussgefahren und Anschlusstendenzen in der liechtensteinischen Geschichte, in: Peter Geiger /Arno Waschkuhn (Hrsg.), Liechtenstein: Kleinheit und Interdependenz (Liechtenstein Politische Schriften, Bd. 14), S. 51-90, hier 75 ff. - Peter Geiger, Liechtenstein im Jahre 1938, in: JBL 88, Vaduz 1990, S. 1-36. 56 'Der Umbruch' ('Kampfblati der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein', Vaduz) Nr. 2, 13. Okt. 1940, S. 1: "Heimat und Volk, Ausgangspunkt und Endziel!" 38
        

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