Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/31/
Politisches Wirken wurde allerdings 1852 wegen der rückläufigen Entwicklung im Deutschen Bund abgebrochen." Aber zehn Jahre später schuf man die konstitutionelle Verfassung Liechtensteins von 1862." Die Früchte von 1848 gingen auf. Viele Grundzüge der Verfassung von 1862 blieben auch in der totalrevidierten Verfassung von 1921w und damit bis heute bestehen. Der progressive Charakter der 1848er Verfassungsvorstellungen wird am folgenden Beispiel deutlich: Peter Kaisers und des Verfassungsrates Entwurf von 1848 hatte - über die Gewichtsverteilung der heutigen Verfassung hinausgehend - dem Fürsten nur ein aufschiebendes Veto gegen Gesetzesbeschlüsse des Landtages zugestehen wollen, indem eine vom Land­ tag beschlossene Vorlage gegen zweimalige NichtZustimmung des Fürsten mit dem dritten Beharrungsbeschluss des Landtages dennoch Gesetzeskraft erlangt hätte." 5. Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche Auf Anordnung der Bundesversammlung in Frankfurt wurden 1848 nach den ersten Revolutionswochen in allen Gebieten des Deutschen Bundes vom Volk Abgeordnete zu einer "Deutschen Nationalversammlung" gewählt. Liechtenstein stand ein Vertreter zu. Die in den Gemeinden gewählten 71 Wahlmänner erkoren am 25. April 1848 in Vaduz einstimmig Peter Kaiser zum liechtensteinischen Natio­ nalvertreter und Dr. Karl Schadler zu seinem Stellvertreter. Am 14. Mai wurde Kai­ ser in Vaduz in öffentlicher Volksversammlung mit Tannengriin, Lebehoch und Böllern nach Frankfurt verabschiedet. Dort nahm er in der Paulskirche für sein Land vom Mai bis Ende September an den Sitzungen und Abstimmungen teil. Er meldete sich nie zu Wort.* Die Frankfurter "Vielrednerei" kritisierte er." Sein schriftlicher Antrag, den landwirtschaftlichen Handelsverkehr zwischen den deut­ schen Staaten zu erleichtern - was im besonderen liechtensteinischen Interesse gele­ gen hätte wurde in eine Kommission verwiesen und blieb folgenlos." Die deutschnationale Stossrichtung der Revolution von 1848 wurde von Peter Kai­ ser und den Liechtensteinern mitgetragen. Sie erwarteten davon aber gerade eine Stär­ kung der innerliechtensteinischen Emanzipation bezüglich der Verfassung, gegenüber dem Fürsten, der Hofkanzlei und dem österreichischen Nachbarn. Und sie erhofften " Ebd., S. 175-184. 33 Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 26. Sept. 1862, unterzeichnet von Fürst Johann II. auf Schloss Eisgrub, gegengezeichnet von Landesverweser Carl Haus von Hausen, Original im HAL Wien, Urkundensammlung; beglaubigte Abschrift und gedruckte Exemplare im LLA RC 1862/XV/15. Veröffentlicht im Liechtensteinischen Landesgesetzblatt, 1862. - Vgl. Geiger 1970, JBL70, S. 248-304. 34 Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 5. Oktober 1921, Landesgesetzblatt 1921, Nr. 15. 35 Vgl. Geiger 1970.JBL 70, S. HO f. 36 Der Autor hat die Verhandlungsberichte der Deutschen Nationalversammlung auf Anwesenheit Peter Kaisers bei den Sitzungen, sein Abstimmungsverhalten und allfällige Wortmeldungen durchgesehen. Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen constituirenden Nationalversamm­ lung zu Frankfurt am Main, Hg. von Franz Wigard, 9 Bde., Frankfurt a. M., 1848/49. Peter Kaiser nahm an den Sitzungen und Abstimmungen in der Paulskirche von der Eröffnung am 18. Mai bis zum 26. September 1848 teil, ebd. - Vgl. eingehend Geiger 1970, JBL 70, S. 125-135. 37 Peter Kaiser aus Frankfurt an Landesverweser Menzinger, 2. Juli 1848, LLA Peter Kaiser Akten. 11 Stenographischer Bericht (siehe oben Anm. 36), S. 2343, dort Verzeichnis der Eingaben vom 24.-26. Sept. 1848. 35
        

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