Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/28/
Peter Geiger sehenden) - so von Kaiser selber in der Widmung seines Werkes für den Landvogt ausgedrückt10 - und zweitens das ausgeprägte geschichtliche Eigen- und Sonderbe- wusstsein des liechtensteinischen Völkleins. Wie sagte Landtagspräsident Anton Frommelt am 15. März 1938 im Landtag, als angesichts des österreichischen Anschlusses an Hitlerdeutschland auch die Selbständigkeit des Landes bedroht schien: "Der Liechtensteiner ruht auf dem, was Geschichte ist."" 2. Deputation beim Fürsten in Wien 1840 Nach dem Tod des absolutistischen Fürsten Johanns I. wollten die liechtensteini­ schen Gemeinden mit dringenden Anliegen an Fürst Alois II. gelangen.12 Dazu holte man 1840 Peter Kaiser. Er sollte als "Anwald (sie) und Sprecher der Gemein­ den" dem im Lande erwarteten Fürsten die Wünsche "mündlich und schriftlich" darlegen.13 Als der Fürst ausblieb, sandten die Gemeinden im November 1840 eine dreiköpfige Delegation nach Wien, nämlich Peter Kaiser zusammen mit dem Balz- ner Postmeister und Wirt Josef Ferdinand Wolfinger und dem Vaduzer Löwenwirt und Anwalt Josef Anton Rheinberger. In Wien überreichten sie dem Fürsten ein offensichtlich von Peter Kaiser verfasstes Memorandum, welches der Hofkanzlei "nach Demagogie athmend"" erschien. In erster Linie verlangte man darin eine bes­ sere Vertretung des Volkes, das im alten Ständelandtag keine echte Mitsprache besass. Überdies wünschte man unter anderem eine Senkung der Militärkosten, die Regelung des Zollverhältnisses mit Österreich, Vereinfachung der Verwaltung, Bereinigung der Zehnten, Verbesserung des Schulwesens. In einigen Fragen kam der Fürst in den folgenden Jahren entgegen, in der politischen Hauptfrage der Volksvertretung erreichte die Deputation aber nichts, und auch eine rasche Verbes­ serung der Zollsituation erwies sich als zu schwierig.15 
Die Hofkanzlei empfahl dem Oberamt Vorsicht angesichts von "Kaisers nicht ganz ruhigem Verhalten 3. Lenker der Revolution von 1848 Im modernen Politjargon würde man Peter Kaisers Rolle im Jahre 184817 als "Revo­ lutionsführer" umschreiben. Kaiser galt dem Landvogt Menzinger als "Vorwisser und Urheber" der liechtensteinischen Revolutionsbewegung.18 Das war er höch­ stens im geistigen Sinne. Aber Kaiser wurde ihr Stratege, Formulierer und Massiger. 15 Zit. Brunhan/Kaiser 1989, Bd. 2, S. XXVI. 11 LLA, Landtagsprotokoll der nichtöffentlichen Sitzung vom 15. März 1938, S. 15. " Zu diesem Abschnitt vgl. Quaderer 1969, JBL 69, S. 106 ff. 13 Peter Kaiser an Alois de Latour, Präsident des katholischen Schulrates in Chur, 19. April 1840, zit. bei Quaderer 1969, JBL 69, S. 107Anm. 34. 11 Zit. Quaderer 1969, JBL 69, S. 110 Anm. 45. 15 Vgl. Quaderer 1969, JBL 69, S. 111-121; Geiger 1970, JBL 70, S. 32-40. 16 Hofkanzlei an Oberamt, 8. Juni 1842, zit. Quaderer 1969, JBL 69, S. MO Anm. 45. " Hierzu eingehend Geiger 1970, JBL 70, S. 52 ff. " Bericht von Landvogt Johann Michael Menzinger, Vaduz, an die Hofkanzlei, 23. März 1848, Original im Hausarchiv des regierenden Fürsten von Liechtenstein in Wien (fortan HAL Wien), 1848/4079 (unter 1863/10370); Abschrift im LLA RC 100/3 (C/3); vgl. Geiger 1970, JBL 70, S. 58. 32
        

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