Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/26/
Peter Geiger I. Einleitung Peter Kaiser war ein politischer Kopf: ein hellwacher Zeitgenosse, das Geschehen beobachtend, kritisch wertend, zu politischem Handeln bereit. Er erlebte grosse Umwälzungen, im Kindesalter die napoleonischen Kriege bis ins eigene Dorf mit Brandschatzung und Flucht1, als Jugendlicher die österreichische Volkserhebung gegen die Franzosen2, als Student in Wien die Neuordnung Europas am Wiener Kongress' und in Freiburg im Breisgau die Repression gegen freie Schrift und Rede4. 
Danach, als Lehrer in der Schweiz, verfolgte er die politische Modernisie­ rung der Kantone, insbesondere die Schaffung von Kantonsverfassungen in der sogenannten Regeneration zwischen 1830 und 1848, und dann die rasche Umwandlung des losen eidgenössischen Staatenbundes in den schweizerischen Bundesstaat von 1848 mit liberal-demokratischer, ausgeprägt föderalistischer Bun­ desverfassung und einem einheitlichen schweizerischen Wirtschaftsraum. Peter Kaiser war Bildungsauswanderer, ohne berufliche Möglichkeit im eigenen Land, das aus elf Bauerndörfern bestand. Er brachte die Aussensicht, den weiteren Horizont mit der Kenntnis schweizerischer, deutscher und österreichischer Ver­ hältnisse herein. Hinzu kamen zeitliche Vertiefung durch seine Geschichtsfor­ schung sowie pädagogischer Impetus. Der kluge, gelehrte, praktische, engagierte Kaiser galt den Liechtensteinern - nicht den Behörden - als überlegene Persönlichkeit. Als er ab 1835 in die Nähe nach Graubünden zu wirken kam, begannen sie ihn heranzuziehen, wenn Rat und poli­ tisches Handeln gefragt waren. Kaiser selber war dazu bereit. Würde Kaiser heute leben, so sässe er wohl im Landtag oder in der Regierung, wäre im Bildungswesen oder in Strassburg tätig. 1 Vgl. Peter Kaiser, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schildeningen aus Chur-Rätien's Vorzeit, Chur 1847 (hier fortan: Peter Kaiser, Geschichte), S. 475 ff., 484 ff. - Vgl. auch die Schilde­ rungen in der Chronik des Johann Georg Heiben, insbesondere zu den Jahren 1796 ff., gedruckt bei Johann Baptist Büchel, "Auszüge aus der Chronik des Jakob Helbert", in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (JBL) 29, Vaduz 1929, S. 65-138. Zur Autorschaft der Hei- bert-Chronik siehe Peter Geiger, Verfasser der Helbert Chronik aufgespürt, in: JBL 90, Vaduz 1991, S.317-333. 2 Vgl. Peter Kaiser, Geschichte, S. 504-506. } Vgl. Peter Kaiser, Geschichte, S. 506-509. * Zu den biographischen Stationen Peter Kaisers vgl. Arthur Brunhans Beitrag in diesem Band sowie Franz Josef Kind, Peter Kaiser, in: JBL 5, Vaduz 1905, S. 6-38 (hier im weiteren Kind 1905); Rupert Ritter, Peter Kaiser. Sein Leben und Wirken, in: JBL 44, Vaduz 1944, S. 5-35; Roben Allgäuer, Peter Kaiser. Beiträge zu einer Biographie, in: JBL 63, Vaduz 1964, S. 7-61; Rudolf Rheinberger, Zu Peter Kaisers Aufenthalt in Wien, in: JBL 90, Vaduz 1991, S. 329-333. 30
        

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