Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/22/
Arthur Brunhart dessen selber einen vorzüglichen Quellenwert. Peter Kaiser ist dadurch zum Begrün­ der und Wegbereiter der liechtensteinischen Geschichtsforschung geworden. Er hat in seinem Buch auch die unmittelbare Vergangenheit, die er selbst erlebte, die Zeitgeschichte, kritisch bewertet. Die Erinnerung ist für das Geschichtsbe- wusstsein fraglos von besonderer Bedeutung. In geschichtslosem Land, schreibt der Historiker Michael Stürmer, gewinnt derjenige die Zukunft, der "die Erinnerung füllt, die Begriffe prägt und die Vergangenheit deutet". Mit seinem Buch weckte Kaiser, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen, "das Nationalgefühl, welches allein zu grossen Dingen führt". Das Erscheinen des Werks löste bei der Vaduzer und Wiener Obrigkeit umge­ hend Betriebsamkeit aus, der Verkauf wurde untersagt, die greifbaren Bücher wur­ den eingesammelt. Schliesslich jedoch wurde von Wien aus der Verkauf gestattet, versehen mit der Bemerkung, "den wahrhaft Aufgeklärten könne es ohnehin nicht entgehen, wie einseitig die Verhältnisse und die Geschichte des Fürstenthums dar­ gestellt sind. Zum öffentlichen Debit oder zum Gebrauch der Schulen kann aber dieses seichte Produkt nicht gestattet werden". Es durfte also weder im Kleinhandel verkauft noch praktisch genutzt werden. Das Werk blieb der Obrigkeit bis in das beginnende 20. Jahrhundert hinein ein Dorn im Auge. Landesverweser Karl von In der Maur - einen Vorfahren In der Maurs erwähnt Kaiser in seiner "Geschichte" in unrühmlichem Zusammenhang - liess, wenn wir uns auf das Zeugnis von Rupert Ritter abstützen, viele der Bücher, die sich in Liechtenstein befanden, einziehen und vernichten. Welche anerkannten Verdienste sich Peter Kaiser um den Kanton Graubünden erworben hat, beweist seine Einbürgerung im Jahre 1856. Damit verbunden war der Verzicht auf die bisherige liechtensteinische Staatsbürgerschaft. Er nahm das Bünd­ ner Bürgerrecht "mit Freude und Dank" an. Das Vaduzer Regierungsamt informierte die Wiener Hofkanzlei über das Aus- trittsbegehren aus dem liechtensteinischen Staatsverband und bemerkte trocken: "Herr Professor Kaiser ist zwar ein geborner Maurer hat sich aber seit seinen Stu­ dienjahren fortan im Auslande vorzugsweise in der Schweiz aufgehalten, und seine Heimath selten besucht, wo er ausser einigen Kapitalien weder eine Ansässigkeit noch aber Grundstücke besitzt, die längst verkauft worden sind." Kein Wort also von seiner Bedeutung für Liechtenstein! Peter Kaiser wurde damit ein Eidgenosse jenes Volkes, dem er sich schon 1830 als "in Liebe und Dankbarkeit verpflichtet" bezeichnet hatte. Die schweizerischen Landschaften, schrieb er, hätten "den alten und ursprünglichen Charakter des ger­ manischen Lebens" bewahrt und die "Wahrheit der Geschichte, welche ihre Frei­ heit war", behauptet. Die Schweiz sei "neutral", und neutral sei nur die Wahrheit oder Freiheit, und nur die Wahrheit oder Freiheit sei "selbständig". Der Mensch Wir kommen zum Schluss. Ende 1863 erkrankte Peter Kaiser, er verstarb am 23. Februar 1864 in Chur im 71. Lebensjahr. Das Gesetz der Wahrheit, steht auf sei­ nem Grabstein gemeisselt, "war in seinem Munde, und Böses ward nichts erfunden auf seinen Lippen". Was wissen wir vom Menschen Peter Kaiser? Zeitgenossen bezeugen, dass er soziale Verpflichtungen auf sich nahm, Solidarität übte, ein grosszügiges Herz und 24
        

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