Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/21/
Peter Kaiser (1793-1864) der Erfolg blieb versagt. Recht und Gnade, sagt Peter Kaiser an anderer Stelle, "sind erhabene Gegensünde; aber sie scheinen einander zu fliehen; denn wo das Recht ist, will es keine Gnade dulden und wo die Gnade waltet, da ist das Recht verwirkt". Kaiser galt den Behörden bald als Demagoge und Unruhestifter, als ein "Vorwisser und Urheber" der revolutionären Bewegung 1848. Dieses Revolutionsjahr markiert auch in Liechtenstein den Beginn einer neuen Zeit. Ende 1847 war Peter Kaisers "Geschichte des Fürstenihums Liechtenstein" erschienen. Seine harte Kritik besonders an der Beamtenschaft, seine Klage über die Bevormundung und über die Abnahme der "altvaterisch christlichen Haushaltung" machten die drückende Situation bewusster und liessen den Willen, Änderungen und Verbesserungen herbeizuführen, stärker und allgemeiner werden. Im März 1848 beriefen ihn Landsleute in Liechtenstein, wo Mangel an gut aus­ gebildeten Leuten herrschte, an die Spitze von Ausschüssen zur Formulierung poli­ tischer Forderungen. Peter Kaiser, obwohl politisch unerfahren, entzog sich nicht. Bald jedoch zeigte sich, wie Karl Schädler bezeugt, dass "sein strenger Sinn für Recht, seine zarte Vermittlung in persönlichen Fragen und vor Allem die Geltend­ machung seiner höheren Gesichtspunkte, von denen er die damalige Bewegung beleuchtete", die politischen Wogen von 1848 beruhigte, sie massvoller und korrek­ ter machten. Die beruflichen Verpflichtungen in Graubünden verhinderten eine politische Tätigkeit über 1848 hinaus. Das Lehreramt und die pädagogische Berufung standen über der Politik. Der Rückzug war total. Weil die Gegenwart, meinte Kaiser, "wenig Erhebendes" biete, sei derjenige glücklich zu schätzen, "der wenigstens auf seine Vergangenheit mit Freude zurückblicken kann: er hat in der Erinnerung einen Schatz, der ihm die Zukunft leichter macht". Damit sind wir bei der Geschichte, der Kaisers ungeteiltes privates Interesse gehörte. Eine erste Arbeit, die geistvollen "Andeutungen über Geist und Wesen der Geschichte", veröffentlichte er 1830 in Aarau. Er zeigt sich hier, wie Iso Müller fest­ stellte, als Aufklärer und Hegelianer. Die in der Schrift formulierten scharfen Äus­ serungen gegen die Hierarchie, das System des Gleichgewichts, die Heilige Allianz, gegen den politischen Missbrauch von "Volk und Land" wurden ihm immer wieder, sogar noch 120 Jahre später, zum Vorwurf gemacht. Mit dem Wechsel von Aarau nach Disentis entdeckte Peter Kaiser Land und Leute seiner weiteren Heimat, den churrätischen Raum. Der Liechtensteiner wurde Mitglied der Geschichtsforschenden Gesellschaft Graubündens und präsidierte sie jahrelang mit sichtbarem Erfolg. Er hielt zahlreiche Referate zu geschichtlichen Themen. 1838 veröffentlichte er einen Aufsatz "Uber den Stamm und die Herkunft der alten Rhätier". 1840 folgte eine Untersuchung "Über die rechtlichen Verhält­ nisse der Rhätier unter der Herrschaft der Ostgoten und Franken". Diese Schriften gehören in die Vorbereitungsphase seiner 1847 herausgegebenen "Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein". Weil das Gebiet Liechtensteins über weite Zeiträume hinweg mit demjenigen Churrätiens verbunden gewesen war, fügte er den Untertitel "Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien's Vorzeit" bei. 1862 er­ schienen die "Beiträge zur Geschichte Graubündens" von der Römerzeit bis in das churrätische Frühmittelalter. Das von zeitgenössischen Historikern hochgelobte Hauptwerk Peter Kaisers ist die "Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein". Das Buch ist immer noch eine wichtige Grundlage der liechtensteinischen Geschichtsforschung und besitzt unter­ 23
        

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