Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/20/
Arthur Brunhart Disentis eine Berufung als Lehrer für Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte, Pädagogik und Didaktik. Der Gedanke, in diesem abgelegenen Bündner Dorf "das Ideal wahrer Erziehung und wahren Unterrichts" verwirklichen zu können, übte einen "ausserordentlichen Reiz" auf ihn aus. Er machte jedoch die Erfahrung, dass es an gleichgesinnten Kräften fehlte; die "Welt", merkte er, war auch in der länd­ lichen Abgeschiedenheit in den Menschen existent und nicht immer zum Guten wirksam. Im Oktober 1837 ernannte ihn der liberal beherrschte Schulrat zum Rektor. Der Mangel an Finanzen, schulpolitische Auseinandersetzungen, der Ausländerstatus Kaisers, Differenzen mit Lehrern, die Obstruktion des alten Rektors und der Widerstand der bischöflichen Kurie, eines Feindes der ihrer Aufsicht entzogenen Disentiser Schule, erschwerten die Aufgabe. Die leitende Funktion blieb Kaiser, von konservativen Katholiken als "Aufklä­ rer" verdächtigt, vom Disentiser Abt jedoch gestützt, bis 1842, als die Schule nach St. Luzi in Chur übersiedelte. Mit der 1850 realisierten Zusammenlegung der kon­ fessionell getrennten Gymnasien in Chur schliesslich wurde Kaiser gegen massivste Opposition des bischöflichen Hofes Lehrer und Vizerektor der vereinigten Bünd­ ner Kantonsschule. Diese Aufgaben blieben ihm bis zu seinem Tod. Der Pädagoge Kaiser galt als Vertreter der Erziehungslehre Pestalozzis und ebenso als beeinflusst von den Prinzipien des Landshuter Professors und späteren Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer. Neben der Tagesarbeit war Peter Kaiser Mitarbeiter der kantonalen Volksschul­ kommission. Die Lehrmittel wurden von der "Schulbücherkommission" ausgear­ beitet, die er präsidierte. Er selbst verfasste 1852 die gerühmten "Graubündneri­ schen Geschichten, erzählt für die reformierten Volksschulen". Das Buch ist ein offizieller Beweis für die Toleranz, die vorurteilsfreie Denkungsart und die fachli­ che Kompetenz Peter Kaisers. Er arbeitete die Pläne für die Repetierkurse für Bündner Volksschullehrer aus und wurde mit der Erstellung eines Gutachtens über die "Einführung der neueren Geschichte" als Schulfach beauftragt. Ein Feld publi­ zistischer Tätigkeit war die redaktionelle Mitarbeit beim "Bündnerischen Monats­ blatt". Das Engagement in Politik und Geschichtsforschung Streifen wir als letzten Teil Kaisers politische und historiographische Wirksamkeit, ohne den folgenden Referaten vorzugreifen. Seit seiner Tätigkeit in Graubünden war er auch für Liechtenstein im Schulbereich aktiv geworden. Er leitete 1837 einen achttägigen Kurs in Methodik und Didaktik für die liechtensteinischen Lehrer. Er sollte auch einen nicht erschienenen "Auszug der liechtensteinischen Geschichte" als Lehrmittel schreiben, verfasste einen Bericht "mit verschiedenen Anträgen zur Verbesserung des Schulwesens im Fürstenthume" und führte Klage über die schlechten Verhältnisse. Schule und Erziehung müssten, meint Kaiser, in einem geordneten Staatswesen erste Priorität besitzen. Der Aufbau eines zweckmässigen Schulwesens war ihm ein Anliegen. Denn, schrieb er an seine Landsleute, "die Mut­ ter grosser und unsäglicher Übel ist die Unwissenheit" und die Schulen sind "Heil­ mittel gegen die Unwissenheit und die Selbstsucht". Politisch für kurze Zeit tätig wurde Peter Kaiser 1840 als Mitglied einer Deputa­ tion, die dem Fürsten in Wien im Auftrag des Volkes eine Petition vorlegen wollte; 22
        

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