Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/18/
Arthur Brunbart Das Institut stand im Geruch, ein "Revolutionsherd" zu sein. Der bayerische Gesandte in der Schweiz berichtete, die Lehrer wollten die als Schüler anwesenden Fürstensöhne für ihre Zwecke missbrauchen. Peter Kaiser habe in Hofwil "die wahre deutsche Burschenschaft gründen" wollen. Der Gesandte vermutete Libe­ rale, Sanskulotten, Aufklärer und Deutschtümler in der Anstalt und warnte vor einem dort existierenden, auf Umsturz sinnenden Geheimbund. Tatsächlich hat die Berner Polizei auf Veranlassung des badischen Ministerpräsi­ denten im August 1819 ein Auge auf Kaiser geworfen. Die Berner Regierung Hess ihn überprüfen, weil er in Freiburg "ein Theilnehmer eines zu Revolutionierung Deutsch­ lands gestifteten Vereins" gewesen sei, dessen Zweck darin bestanden habe, "Deutsch­ land mit Umstossung seiner gegenwärtigen Verfassung und Verhältnisse in einen Staat umzueiessen". Kaiser wurde vernommen, seine Schriften und wenigen Besitztümer geprüft. Das Verhör brachte keine hinreichenden Verdachtsmomente ans Licht. Eine gleiche Anfrage des badischen Aussenministeriums in Vaduz erbrachte nur die lapidare Antwort, dass es in Liechtenstein niemand gebe, den Peter Kaiser "in seine, die allgemeine Sicherheit gefährdenden Plane miteinbeziehen könnte!" Kehren wir zu Kaisers Lebensweg zurück. Aus welchem Grund er das Institut Fellenbergs 1822 verliess, wissen wir nicht mit Sicherheit. Eine Rebellion von Leh­ rern gegen das kompromisslose Regiment Fellenbergs und der Drang, beim grossen Pestalozzi selbst zu arbeiten, mögen Beweggründe gewesen sein. Am 28. April 1822 weilte er schon im Schloss zu Iferten, welches das Erziehungsinstitut des alten und berühmten Johann Heinrich Pestalozzi beherbergte. Dieser 1827 verstorbene Volkserzieher, Sozialreformer und Schriftsteller hatte im Verlaufe seines Lebens verschiedene Anstalten gegründet, die zwar scheiterten, jedoch Zentren und Aus­ gangspunkte des pädagogischen Aufbruchs im beginnenden 19. Jahrhundert waren. Das Erziehungsziel Pestalozzis galt der Selbstentfaltung der natürlichen Grund­ kräfte und der menschlichen Fähigkeiten. Mit dem Stellenantritt in Yverdon gelangte Kaiser in anders geartete Verhältnisse. Während Hofwil unter der starken Führung Fellenbergs blühte, steckte das Institut Pestalozzis in einer unüberwindlichen Krise. Kaiser wurde wider Willen tief in die damit verbundenen Streitigkeiten involviert. Es war ein hässlicher Kampf um "den rechten pädagogischen Weg" und um das "Erbe Pestalozzis". Wir wollen uns bei diesem wirklich trüben Kapitel nicht länger aufhalten, der schleichende Untergang des Instituts ist in Briefen Kaisers drastisch dokumentiert. Es verwundert nicht, dass er nur rund ein Jahr in Yverdon blieb und auch das nur dem alten Pestalozzi zuliebe, den er verehrte und dessen pädagogische Prinzipien er schätzte. Kaiser schrieb eine Zusammenfassung von Pestalozzis Methoden des Sprachunterrichtes und war an der Weiterentwicklung seiner pädagogischen Lehr­ methoden beteiligt, obwohl er mit dem Starrsinn, der Ungeduld und den "fixen Ideen" des alten Mannes seine Not hatte. Seit dem Frühjahr 1823 "regte sich der Entschluss mächtig" in Kaiser, "den Wan­ derstab zu ergreifen und die deutsche Erde wieder zu küssen". Er reiste jedoch zu Christian Lippe, einem Lehrerkollegen aus der Hofwiler Zeit, der auf Schloss Lenz- burg ein pädagogisches Institut führte. Dort wollte er seine Verhältnisse und die beruflichen Möglichkeiten klären. Er blieb länger als vorgesehen und betrieb pri­ vate Studien. Ehemalige Buschenschafter wie der bekannte Karl Völker hatten damals vergeb­ lich versucht, Peter Kaiser für die Churer Kantonsschule zu verpflichten. In 20
        

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