Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/17/
Peter Kaiser (1793-1864) sangen die Studenten, "in der einen Hand das Schwert, in der andern die Fackel", ein vom Gelegenheitsdichter Peter Kaiser verfasstes vaterländisches Freiheitslied. Poli­ tische und satirische Gedichte des jungen Peter Kaiser wurden ihm übrigens noch Jahrzehnte später zum Vorwurf gemacht. Die Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den nationalen Fragen schufen bei manchen Mitgliedern des Vereins ein Weltbild, das festhielt. Es ist bemerkens­ wert, dass viele Ideen der Burschenschaft in der deutschen Nationalversammlung von 1848 erneut hervorgetreten sind. Nach dem Attentat auf Kotzebue äusserte sich Kaiser, dass ihm nach allem, was er über diesen Gegenstand gedacht und was er fühle, die "That als lobenswerth" erscheine, zumal das Opfer ein "Schurke", ein "Undeutscher" gewesen sei. Man musste, so Kaiser, "dem teutschen Volke ein Beispiel" geben. Es habe doch wohl jeder "Teutsche das Recht einen solchen Mann nieder zu dolchen", um der Gerech­ tigkeit willen. Zwar bekomme die Sache des Vaterlandes immer mehr Verfechter; doch gehe es ihm bald wie Goethes "Egmont": wenn er "so schon vornehme Hälse (...) sehe, so denke er immer, die wären gut köpfen". Das Volk müsse sein Recht ein­ sehen und es auch fordern. Solche burschenschaftlichen Ideen wurden ihm schon zu Lebzeiten zum Vorwurf gemacht, von späteren Biographen aber be­ schwichtigend als jugendliche Irrtümer relativiert. Welche Rolle spielte Peter Kaiser in der Burschenschaft? Er erscheint als Mitglied von "glühendem Eifer", wird sogar als "überspannt" beschrieben, als "stark erhitz­ ter, als feuriger und leidenschaftlicher Kopf" mit starker politischer Tendenz. Er plädierte für eine praktisch "angewandte" Wissenschaft, für "Deutschlands Be- freyung und Einigung" gar für die "Vereinigung Deutschlands unter einem einzigen Fürsten". Im Dezember 1818 dachte Kaiser an einen Wegzug aus Freiburg, die ganze Situa­ tion schien ihm unbefriedigend. Er war bei Heinrich Zschokke gewesen, dem damals führenden aargauischen Kulturpolitiker, auch bei Ignaz Paul Vital Troxler, dem Promotor der schweizerischen Regenerationsbewegung. Die berufliche Laufbahn als Erzieher Seit dem Frühjahr 1819 stand Kaisers Wegzug in die Schweiz fest, er trat im Juli eine Stelle als Lehrer für Deutsch, Geschichte und alte Sprachen an der berühmten Erziehungsanstalt des Berners Philipp Emanuel von Fellenberg an, eines willens­ starken und herrschsüchtigen Patriziers. Fellenberg war einer der drei grossen Schweizer Erzieher jener Zeit, beeinflusst von Kant, Fichte und Pestalozzi. Er führte verschiedene Schultypen für Knaben und Mädchen, die als "Nationalerziehungs-Anstalten" praktisch ausgerichtet wa­ ren. Bei der Rekrutierung der Lehrer griff er auf Burschenschafter zurück, weil er überzeugt war, dass die deutsche Pädagogik und Wissenschaft eine Mission habe und dazu berufen sei, "als mächtiger, unbezwingbarer Träger wahrhafter Men­ schenwürde und gediegenster humaner Bildung rettend, erhebend und veredelnd auf die ganze Menschheit einzuwirken". Im Burschenschafter, der sich idealistisch begeisterte und vaterländisch dachte, sah Fellenberg "die Ethik des Humanitäts­ ideals mit dem Patriotismus zu einer Einheit" verschmolzen. Andererseits war eine Lehrerstelle in Hofwil begehrt, weil viele dort "die wahre Erziehung" verwirklicht sahen. 19
        

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