Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/9/
Einleitung auch in spezifischer Weise konfliktanfällig, wenn die kalkulierten oder ein­ gefahrenen Strategien der Konfliktbegrenzung tatsächlich einmal versagen. Im Ubergang zum 21. Jahrhundert wird sich der Kleinstaat auf neue soziale und politische Verkehrsformen sowie auf andere Zeitrhythmen ein­ zustellen haben, und er wird gesamthaft im Zuge der Dynamisierung mehr in supranationale Zusammenhänge eingebunden werden als jemals zuvor. Der Spielraum für einzelstaatliche Entscheidungen jedenfalls wird, vor allem im Kontext der europäischen Integrationsprozesse, ohne Zweifel noch kleiner und reduziert sich der Tendenz nach auf Probleme regionalen und lokalen Zuschnitts. Hier liegt, so paradox es zunächst scheinen mag, neuerlich eine Chance für den Kleinstaat, da er diese Politikbeschränkung eher gewohnt ist und seine Entscheidungen und Zielvorgaben kaum jemals ohne Rücksicht auf externe Effekte und Abhängigkeiten hat treffen können, während Staaten von bereits durchschnittlicher Grösse zur Bewältigung dieser restlichen Entscheidungsmaterien als Gesamtverband klar überdi­ mensioniert sind und vor ziemlich ungewohnten Adaptionsproblemen stehen. Spätestens seit den historischen Umbruchsituationen und weltpoliti­ schen Veränderungen in der jüngsten Vergangenheit sind viele der her­ kömmlichen Kategorien relativiert oder sogar obsolet geworden.6 Lediglich die Kategorie des Kleinstaates erfuhr im Zuge neuer Nationalismen und ethnischer Besonderung eine nicht zu leugnende, wenngleich ambivalent zu betrachtende Aufwertung. Es verwundert daher, dass Kleinstaaten als sol­ che nur gelegentlich eine Aufnahme in politikwissenschaftliche Abhandlun­ gen, Lehr- und Handbücher finden. Sie geraten als Gruppe sui generis nur relativ selten in den Blickpunkt systematischer Forschung, auch die meisten Fachlexika und Sammelbände kennen die "Kleinstaaten" nicht oder nur sporadisch. . Dennoch haben die kleinstaatlichen Strukturbesonderheiteri und Aus­ prägungen ihre eigene Handlungsrationalität, die vom "mainstream"-Den- ken einfach übergangen wird. Das Faszinosum der Kleinstaatenforschung besteht weniger im vielbemühten Euphemismus des "small is beautiful", vielmehr eher darin, dass der Kleinstaat überlebensfähig ist und im Kleinen ein Sinnbild darstellen kann für eine stupende Beharrungskraft im Innern, gepaart mit hoher adaptiver Flexibilität. Der hochentwickelte und reüssie­ 6 Siehe u. a. Thomas Nowotny, Vom Aufstieg und Fall grosser Begriffe. Zur Kategorisierung von Staaten, in: Europa-Archiv, H. 2/1991, S. 41-49. 9
        

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