Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/60/
Systemtheoretische Perspektiven Korrumpierende Einflüsse, die sich in Grossstaaten eher auf Elitenkreise beschränken, drohen im Kleinstaat das gesamte öffentliche Leben zu dur ch­ dringen, falls keine Abhilfemassnahmen getroffen werden. Dieses hohe Risiko von "Befangenheit" ist laut 
Daniel Thürer der tiefere Grund für die liechtensteinische Praxis, die eigenen Gerichte wenigstens teilweise mit Richtern ausländischer Herkunft zu besetzen:. "In Liechtenstein nämlich, das mit.seinen 28'000 Einwohnern eines der kleinsten Länder der Welt darstellt, sind die Einwohner und vor allem auch die Politiker durch ein dichtes Netz verwandtschaftlicher, geschäft­ licher, beruflicher, gesellschaftlicher und politischer Beziehungen mitein­ ander verbunden.'Allein der Beizug .auswärtiger Juristen scheint unter diesen Bedingungen Gewähr für die Unabhängigkeit und Unparteilich­ keit der Justiz zu bieten" (Thürer 1990:11). Wie Thürer/zu Recht feststellt, hat das seit dem.19. Jahrhundert aufkom­ mende Idealmodell des (politisch-administrativ autonomen) "Nationale staates" die Kleinststaaten deshalb vor fast unlösbare Probleme gestellt, weil es verlangt, einerseits alle: öffentlichen Positionen mit eigenen Bürgern zu besetzen (um den Besonderheiten der nationalen Mentalität und Rechtsord­ nung Rechnung zu tragen), andererseits aber für jene "Aquidistanz" dieser Amtspersonen gegenüber allen übrigen Bürgern zu sorgen, die für ein neu- tral-unpersönliches Verwaltungshandeln unabdingbar ist. Eine naheliegende und äüsserst gebräuchliche Massnahme besteht in die­ sem Falle darin, die Entscheidungs- und Vollzugskompetenzen nicht ein­ zelnen Personen, sondern 
kollektiven Gremien (z.B. Kommissionen, Gerichtskammern, Kollegialbehörden) anzuvertrauen. Damit sind gleich fünf Vorteile gleichzeitig verbunden: 1) Die Funktionsfähigkeit des Organs bleibt unabhängig von partikulären Beziehungskonstellationen gesichert, weil das "befangene", Mitglied . immer in den Ausstand treten kann. ' 2) Auch dort, wo das Behördemitglied allein agiert, wird es durch die . soziale Kontrolle der übrigen Gremiumsmitglieder genötigt, unparteilich zu handeln. 3) Der absolute Umfang der "politischen Elite" wird grösser: so dass - wenn alle anderen Bedingungen gleich bleiben - sich ihr interner Kon- . nektivitätsgrad verringert. 65
        

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