Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/57/
Hans Geser Staaten prozentual mehr 
Aussenbeziehungen (zu Mitgliedern anderer Staa­ ten) aufrechterhalten, weil sie innerhalb des Staates keine geeigneten Partner finden (vgl. 2.1). Überdies muss auch die 
räumliche Verteilung der Population als eine wichtige intervenierende Variable betrachtet werden. Sicher wird der Kon­ nektivitätsgrad eines kleinen Staates noch zusätzlich erhöht, wenn sich die Gesamtbevölkerung in einem einzigen Urbanen Zentrum verdichtet (z.B. Monaco, San Marino). Umgekehrt können Bergkantone trotz geringer Gesamtgrösse ihren Konnektivitätsgrad niedrig erhalten, weil die Bewoh­ ner verschiedener Talschaften kaum Beziehungen zueinander aufrechter­ halten. Auch durch innere Segmentierung in kulturell differenzierte Subpopu- lationen, durch Inklusion breiterer Bevölkerungsschichten sowie durch Einrichtung artifizieller Interaktionsbarrieren (z.B. im Rahmen föderali- stisch-dezentralisierter Machtstrukturen) kann es kleinen politischen Ge­ meinwesen gelingen, die Dichte ihrer internen Netzwerke zu reduzieren. Umgekehrt können Grossstaaten den Konnektivitätsgrad zumindest auf Elitenebene dadurch erhöhen, dass sie exklusivere Rekrutierungsregeln auf­ rechterhalten oder indem sie alle führenden Mitglieder in einem einzigen Zentrum (z.B. am Hof von Versailles oder in der Stadt Paris) versammeln. Je grösser ein Staat, desto stärker ist er in dieser Hinsicht einerseits auf die Selektionswirkung restriktiver sozialer Mobilitätskriterien und andererseits auf die Verdichtungswirkung von Grossstädten angewiesen. Ungeachtet solcher Relativierungen darf unter aktuellen Bedingungen (relativ offener Elitenrekrutierung) damit gerechnet werden, dass sich innerhalb der Führungsschichten kleinerer Staaten allein aus den Zufällig­ keiten und Zwängen alltäglicher Interaktion eine vergleichsweise dichte Verflechtung zu einer einzigen Elitengruppe ergibt, während es in grossen Staaten wahrscheinlicher ist, dass mehrere Elitenfraktionen nebeneinander koexistieren. Unter den mannigfachen Folgewirkungen hoher Elitenverflechtung sind vor allem zwei herauszuheben, die mit vielerlei Eigentümlichkeiten klein­ staatlicher Politik und Verwaltung in engem Zusammenhang stehen. 3.1 Konfliktvermeidung als vorrangiges Ziel In ihrem Buch "Size and Democracy" sehen Dahl und Tufte (1973) die hohe Dichte sozialer Beziehungen als eine Schlüsselvariable zum Verständ­ 62
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.