Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/56/
Systemtheoretische Perspektiven . Ebenso gehört dazu die Vorstellung, dass Kleinstaaten auf formelle Strukturen sozialer. Kontrolle (und. damit auch: auf stark zentralisierte Herrschaftsstrukturen) weitgehend verzichten könnten, weil in hinreichen­ dem Masse informelle:Sozialkontrollen (im horizontalen Verhältnis zwi­ schen einzelnen Bürgern) wirksam wären. Negativ gewendet heisst es dann, Kleinstaaten könnten kein Klima wahrer Freiheit erzeugen, weil diese Informalkontrollen durch keinerlei staatliche Liberalisierungsmassnahmen verririgertoder eliminiert werden könnten. Wenn man derartige (und vielerlei analoge) Argumentationen bis an ihre logischen Wurzeln zurückverfolgt, gelangt man ebenfalls auf eine formale mathematische Gesetzmässigkeit, die man genau verstehen sollte, weil sie für die Theoriebildung ebenfalls einen sicheren Ausgangspunkt anbietet. Es handelt sich dabei um die erstmals von Caplow (1957) explizierte Regularität, dass die Gesamtzahl von Interaktionsbeziehungen, die. zwi­ schen Angehörigen einer sozialen Gruppe möglich sind, im progressiven Verhältnis zur Gruppengrösse steigt. Wenn man dann zweitens noch annimmt, dass jeder Einzelne auf Grund psychischer Kapazitätsgrenzen nur mit einer beschränkten Zahl anderer Personen Beziehungen pflegen kann, so folgt daraus, dass der "interaktive Sättigungsgrad" eines sozialen Systems (d.h., der Prozentanteil logisch möglicher Beziehungen, die auch aktualisiert sind) mit zunehmender Systemgrösse drastisch sinkt. Nimmt man beispielsweise an, dass jedes Individuum nur vier engere Freunde haben kann, so ergibt sich die folgende Tabelle: Anzahl Anzahl logisch •Anzahl "Interaktiver Mitglieder mögliche aktualisierbare Sättigungsgrad" (N) Beziehungen (m) Beziehungen (a) , (a) / (m) N(N-l)/2 (4*N) / 2 5 10 10 100.00 % 10 45 20 44.44% 20 190 40 21.05 % • 50 . 1225 
100 8.16% 500 124 750 1000 0.8016 % Natürlich hängt der faktische Verlauf solcher Kurven von vielerlei Rahmen­ bedingungen ab, die empirisch erfasst werden müssen. Beispielsweise wird der Zusammenhang zwischen Grösse und dem Grad an innerer, Konnektivität dadurch abgeschwächt, dass Bewohner kleiner 61
        

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