Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/51/
Hans Geser Märkte (Pharmazeutika, Farben, Düngemittel etc.) einfliessen zu lassen und dadurch auch zur Streuung makroökonomischer Risiken einen bedeutsar men Beitrag zu leisten. Und 
drittens suchen praktisch alle Kleinstaaten sich im Bereich jener infrastrukturellen oder auxiliären Universalfunktionen gute Marktpositio­ nen zu sichern, die vom konkreten Charakter der Produktionsprozesse oder Produkte völlig unabhängig sind und deshalb oft nicht nur über Jahr­ zehnte, sondern über Jahrhunderte eine invariante Bedeutung behalten. Bereits seit der Bronzezeit haben sich beispielsweise die Funktionen des Transports und 
Handels gegenüber der Güterproduktion derart stark verselbständigt, dass maritime Seefahrerstaaten (Phönizier, Karthago, Vene­ dig, Genua, Holland) immer wieder ein mit ihrem geringen militärischen Potential erstaunlich kontrastierendes Mass an Autonomie und Prosperität erringen konnten. Während diese traditionelle Spezialisierung heute in "Völkern von Lastwagenfahrern" (z.B. Niederlande) eine etwas weniger ruhmvolle Fortsetzung findet, haben sich im Bereich des 
Treuhand-, Ban­ ken- und Versicherungswesens, des 
Wirtschaftsrechts und der 
Unterneh­ mensberatung vielerlei neue, stark expandierende Universalfunktionen aus­ differenziert, die kleinstaatlichen Volkswirtschaften ein sich ständig weitendes Feld von relativ zuverlässigen Entfaltungschancen bieten. Mehr noch als die Schweiz tragen Länder wie Singapur, Liechtenstein, Monaco und in seiner speziellen Weise auch der Vatikan dazu bei, dass man in Kleinstaaten einen überdurchschnittlich grossen 
tertiären Wirtschafts­ sektor findet. Dies hat dann die dopelte Folge, dass im 
Inneren.starke Ten­ denzen zur Urbanen Verdichtung und City-Bildung, beobachtet werden können und dass die 
Aussenkontakte viel mehr als beim Warenexport den Charakter 
interpersoneller Beziehungen annehmen, die entsprechend hohe Anforderungen an interkulturelle Kontakte, Fremdsprachenkenntnisse, kosmopolitische Umgangsformen u. a. stellen. 2.2.2. 
"Personenabhängige" statt "organisationsabhängige" Produktionen Eine zweite, im historischen Ablauf in unzähligen Varianten praktizierte Strategie besteht darin, dass der Kleinstaat sich auf jene Produktionen spezialisiert, in denen komplexe Rollendifferenzierung und grossformatige Organisation überflüssig oder gar, schädlich ist, weil sie vorwiegend oder ausschliesslich auf den Qualifikationen und Handlungsweisen von Einzel­ personen (bzw. ganz kleiner Personengruppen) beruhen. 56
        

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