Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/50/
Systemtheoretische Perspektiven 2.2.1. Spezialisierung auf polyvalente Güter und Dienstleistungen Hochspezialisierte kleine Volkswirtschaften halten sich besser von jenen Branchen fern, wo die Produktionsverfahren und/oder die Endprodukte einem starken (z.B. technologisch oder kulturell bedingten) zeitlichen Wan­ del unterliegen. Zu stark würden sie sich als Ganzes von vielerlei Ereignissen und Ent­ wicklungen abhängig machen, die sich ihrer Kontrolle völlig entziehen; und zu sehr wären ihre - permanent zur Neuorientierung gezwungenen - Unternehmungen ani Aufbau durchrationalisierter und kapitalintensiver Verfahrensweisen gehindert, wie sie für eine effiziente, kostengünstige Pro­ duktionsweise fast überall die Voraussetzung bilden. Deshalb haben sich wirtschaftlich erfolgreichere Kleinstaaten zu allen Zeiten vorrangig jenen Produkten oder Dienstleistungen zugewandt, die dank ihrer vielseitigen Verwendbarkeit ("Polyvalenz") Gewähr für eine sta­ bile Nachfrage bieten (vgl. Geser 1980). Dazu gehören beispielsweise Rohmaterialien und Investitionsgüter, bei denen die Nachfragestabilität darauf beruht, dass sie für die Herstellung vielfältigster, beliebig variierender Endprodukte die Voraussetzung bilden. • Im Falle der 
Schweiz hat sich beispielsweise eine-Spezialisierung der Exportproduktion auf die 
Elektrotechnik lange Zeit als funktional erwiesen, weil derartige Geräte in praktisch allen Sparten industrieller Produktion Verwendung finden; und die 
Uhrenindustrie konnte ihre Stabilität darauf gründen, dass moderne Menschen ungeachtet ihrer wandelbaren Lebens­ zwecke und Lebensinhalte immer dasselbe Bedürfnis, Zeitspannen zu mes­ sen und die genaue Tageszeit zu wissen, beibehalten. Aus dieser Perspektive muss heute allen Kleinstaaten dringend eine Spe­ zialisierung auf 
informations- und kommunikationstechnologische Hard­ wareerzeugnisse empfohlen werden: z. B. auf Chips und Prozessoren; die an Computern aller Gebrauchszwecke auf völlig identische Weise Verwen­ dung finden. Zweitens sehen sich Kleinstaatökonomien vorrangig auf Branchen mit besonders 
polyvalenten Produktionsprozessen verwiesen, bei denen es gelingt, mit einer geringen Zahl verschiedener Grundstoffe und Manipula­ tionsweisen eine unabsehbare Vielfalt verschiedenartiger Endprodukte zu erzeugen. Dies gilt natürlich beispielsweise für den Bereich der 
organischen Chemie, wo es einer Einzelunternehmüng leicht gelingt, ihre auf Naphtha oder andern Universalsubstanzen beruhenden Produkte in verschiedenste 55
        

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