Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/43/
Hans Geser Wenn der kreisförmige Staat B beispielsweise die vierfache Fläche des kreisförmigen Staates A aufweist, so ist seine Landesgrenze bloss doppelt so lang (Abb. 1). Abb. 1: Zusammenhang zwischen Fläche/Bevölkerungsgrösse und Grenzumfang Sind beide Staaten gleich dicht besiedelt, so folgt daraus beispielsweise, dass der Kleinstaat eine - im Verhältnis zur Fläche und Einwohnerzahl - umfangreichere soziale Kontaktfläche zur Umwelt aufrechterhält und ihr relativ offener und verletzlicher gegenübersteht. Im Falle eines militärischen Angriffs beispielsweise muss er einen grösse­ ren Prozentanteil seiner gesamten Bevölkerung an die Grenzen stellen, um sie ebenso wirksam wie einen Grossstaat zu verteidigen. Die defensive Verteidigungsfähigkeit kleiner Staaten ist deshalb nicht bloss proportional, sondern überproportional geringer als diejenige grösse­ rer Nationen: denn zum geringen 
absoluten Umfang ihrer Verteidigungs­ kräfte tritt hinzu, dass diese eine 
relativ umfangreiche Grenze zu bewachen haben. Irgendwo existiert deshalb eine Grössenschwelle, unterhalb der die Verteidigung derart aussichtslos wird, dass der Staat überhaupt keine eige­ nen Anstrengungen mehr dazu unternimmt: so wenig wie ein einzelner Hausbesitzer seine Liegenschaft in alle vier Richtungen bewachen kann, um sich gegen Überfälle zu schützen. Ahnlich wie der wehrlose Einzelbür­ ger wird sich deshalb auch der Kleinstaat unter den Schirm einer umfassen­ deren Schutzmacht begeben und sich für die Geltung einer Friedens- und Rechtsordnung einsetzen, die das Risiko von Gewaltanwendungen redu­ ziert. Durch die Befriedung internationaler Verhältnisse werden die Autono­ miechancen kleiner Staaten deshalb disproportional stark erhöht: weil sie es sich dann sparen können, sich in starke Abhängigkeit von einer einzelnen Schutzmacht zu begeben. 48
        

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