Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/40/
Systemtheoretische Perspektiven und Verständigung gezwungen, die heute zum allgemeinen Bestand der "Weltzivilisation" gehören."' 2) Länge vor der Entfaltung des modernen weltweiten Handelsverkehrs haben die Kleinstaaten als erste erfahren, was es bedeutet, unentbehrlich­ ste Güter des täglichen Gebrauchs aus fremden Stäaten importieren zu müssen, weil man sie nicht innerhalb eigener Grenzen herstellen kann. Entsprechend frühzeitig haben sie ein Interesse an der Etablierung und Sicherung zwischenstaatlicher Verträge und völkerrechtlicher. Normen gewonnen, die für regularisierte ökonomische Austauschbeziehungen die notwendige Voraussetzung bilden. 3) Lange bevor es Atomsprengsätze und Fernlenkwaffen gab, mussten die Bewohner sehr kleiner Staaten schon mit der Tatsache zurechtkommen, in einem militärisch verwundbaren, von den Waffen des Feindes jeder^ zeit erreichbaren Territorium zu leben und einen externen Angriff als "totalen Krieg" zu erfahren, der alle öffentlichen und privaten Ressour­ cen bindet und das Uberleben des gesamten Staatswesens bedroht. So haben sie viel früher als grössere Staaten gelernt, dass militärische Expansiorisstrategien einerseits keine brauchbare Option darstellen und dass es andererseits sehr viel attraktivere Wege staatlicher Selbstbehaup­ tung (z. B. mittels der Kontrolle von Handels- und Finanztransaktionen) gibt. 4) Den Kleinstaaten war immer die Vorstellung geläufig, dass "staatliche Souveränität" etwas höchst Relatives darstellt, das im Austausch für äus­ sere Sicherheit oder attraktive Tauschbeziehungen partiell zur Disposi­ tion gestellt werden muss. Dementsprechend fällt ihnen der Eintritt in ' supranationale Staatengemeinschaften wie die EG eher leichter als grös­ seren Staaten, die von ihrem (in der absolutistischen Ära fixierten) Kon­ zept ungeteilter nationaler Souveränität Abschied nehmen müssen (vgl. z.B. Waschkuhn 1990). So ergibt sich das Paradox, dass Kleinstaaten aus Gründen der, Integration und Identitätserhaltung einerseits meist eine ausgeprägte Traditionalität aufrechterhalten (vgl. 2.3), zur Bewältigung ihrer Adaptationsprobleme andererseits aber zu ausgesprochen modernen Entwicklungen hingedrängt Bezeichnenderweise ist beispielsweise auch das Fremdarbeiterproblem in der Schweiz bereits sehr, frühzeitig (Anfang der 70er Jahre) politisch akut geworden, während es in den grösseren Ländern Westeuropas (z.B. BRD, Frankreich und Grossbritannien) erst jetzt an Bedeutung gewinnt. 45
        

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