Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/38/
Systemtheoretische Perspektiven Hannah Arendt als beispielhafter Prototyp für politische Demokratie. Bis weit ins 18. Jahrhundert blieb man der Auffassung der griechischen Philo­ sophen treu, dass sich wahre Demokratie nur in einem eng begrenzten Gemeinwesen von optimal ungefähr 5000 Bürgern realisieren liesse, die sich alle zur selben Zeit auf demselben Beratungs- und Entscheidungsplatz ver­ sammeln könnten. • . Erst 
Madison hat die Amerikaner, die als erste gleichzeitig sehr gross und sehr demokratisch sein wollten, von ihren quälenden Selbstzweifeln erlöst: indem er darauf hinwies, dass grosse Staaten dank der höheren Kompetiti- vität verschiedener Gruppierungen viel weniger als Kleinstaaten Gefahr lie­ fen, zum Spielball privater Interessen zu werden. Im weiteren haben die Amerikaner sich aber ein vielleicht allzu gutes "politisches Gewissen" verr schafft, indem sie - unter dem Einfluss von Schumpeter, Schlesinger und anderen - eine am Prinzip der Kompettfivität festmachende Demokratie­ theorie entwickelt haben, die auf Grossstaaten tatsächlich bessere Anwen­ dung als auf. die Kleinstaaten - in denen oft "Konkordanzpolitik" vor­ herrscht - findet (vgl. z.B. Dahl/Tufte 1973: passim). Venedig und 
Genua als .vielbeneidete und oft erfolglos kopierte Handels­ staaten, die föderalistische 
Schweiz als "Modell Europas", 
Schweden als Prototyp des voll ausgebauten Wohlfahrtsstaats, 
Singapur als ein auf ganz Asien ausstrahlender Modellfall erfolgreicher ökonomischer. Entwicklung und politischer Binnenstabilisierung - sie alle illustrieren die Regularität, dass grössere Länder häufig auf Kleinstaaten hinblicken, um ihren eigenen zukünftigen Entwicklungsweg zu konkretisieren und ihnen dadurch zu einer weltgeschichtlichen Bedeutung verhelfen, die zu ihrem geringen poli- tisch-militärischen Gewicht im krassen Missverhältnis steht. Die Gründe dafür liegen zum einen wohl einfach darin, dass kleine Staa­ ten dank ihrer grösseren Anzahl allein aus statistischen Gründen eine grös­ sere Bandbreite verschiedener Strukturformen und Entwicklungsstrategien realisieren, unter denen dann auch einige wenige eine ungeteilt positive Beachtung verdienen. Die unvermeidliche Kehrseite dieser selben Regula­ rität besteht dann darin, dass man im Bereich kleiner Staaten auch prototy­ pische Beispiele von besonders krass missglückten sozio-politischen Zuständen und Entwicklungen findet: Fälle wie Libanon, Kambodscha, Haiti oder Albanien, die als Negativmodelle zu vermeidender Entwicklun­ gen internationale Beachtung finden. Zum zweiten ist die Funktion des Kleinstaats als Prototyp wohl darin begründet, dass neuartige Modelle politisch-sozietaler Organisation nahe­ 43
        

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