Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/306/
Geschichtliche Grundzüge gegenüber der soliden wirtschaftlichen Verknüpfung mit der kriegsver­ schonten Schweiz, welche Liechtenstein mit durch die Kriegszeit trug. 6. Nachbarschaftsfähigkeit und Eigenbewusstsein Die Nationalsozialisten im Lande wollten das "Volksdeutsche" Liechten­ stein dem deutschen Volkskörper eingliedern. Deren Drängen, das hitler- deutsche System in möglichst allem zu übernehmen61, gab die Regierung nicht nach. Sie tat indes alles, um den nördlichen Nachbarn nicht zu reizen und den Schein der Normalität aufrechtzuerhalten. Und die liechtensteini­ schen Gerichte amtierten von 1938 bis 1945 unter Beizug von nun reichs- deutschen (früher österreichischen) Richtern neben schweizerischen.62 Schritt im Krieg gerade die Assimilierüng Richtung Schweiz voran - aus­ ser bei den Deutschorientierten - und erfolgte ein verwalturigsmässiger Angleichungsschub in Richtung der Schweiz, so festigte sich in der Extrem­ situation zugleich das Eigenbewusstsein der liechtensteinischen; Bevölke­ rung. "Heimattreu"° nannte man sich stolz, in Ablehnung der "Volksdeut­ schen" Anschlussrichtung. 7. 
Grosse und kleine Neutralität Liechtenstein erklärte am 30. August 1939 die Neutralität.64 Die Regierung verbot 1940 ausländische Fahnen und Abzeichen.65 Man vermied einseitige Stellungnahmen. Die zwei Zeitungen der Koalitionsparteien: übten Selbst­ zensur.66 
Offen gegen die Neutralität trat nur die nationalsozialistische "Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein" auf,67 welche aus Rücksicht auf Deutschland geduldet wurde. Die Regierung beobachtete übrigens neben der völkerrechtlichen, im Unterschied zur Schweiz unbewaffneten Neutralität (gegenüber den Kriegführenden) noch eine gewisse zweite Neu­ tralität, die man neben der "grossen" als "kleine Neutralität" bezeichnen könnte, nämlich eine politisch neutral erscheinende Position zwischen der Schweiz und Hitlerdeutschland, um das letztere nicht zu irritieren. 61 "Der Umbruch", 14. Dez. 1940. 62 Geiger, Liechtenstein im Jahre 1938, S. 28. 63 Vgl: die im Januar 1939 gegründete "Heimattreue Vereinigung Liechtenstein", LLA RF 190/196. M Siehe oben S. 9 und oben Anm. 30. 65 Verordnung v. 11. Mai 1940, LGB1.1940/9. 'Liechtensteiner Volksblatt' und 'Liechtensteiner Vaterland', 1938 bis 1945. 67 Vgl. "Der Umbruch", erschienen von Oktober 1940 bis Juli 1943 (mit einer letzten Nr. im Febr. 1944). 337
        

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