Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/301/
Peter Geiger Verhandlungen seit 1990 und in der 1991 erlangten EFTA-Vollmitglied- schaft aus, aber auch in der Prüfung von künftigen Alternativen zum Gleichschritt mit der Schweiz, ob mit EWR- oder EG-Mitgliedschaft oder aber ohne - eventuell gar spekulierend auf eine Wohlstand spendende Bin- nen-Offshore-Quelle im Kleinheitsschutzwinkel. Eine kurze Emanzipationsphase durchlebte Liechtenstein übrigens bereits nach dem Ersten Weltkrieg. 1919 errichtete Liechtenstein in Bern und in Wien Gesandtschaften, eine dritte in Prag wurde von der Tschecho­ slowakei nicht anerkannt. Nach erfolgreicher Hinwendung zur Schweiz wurde die Wiener Gesandtschaft 1921 aufgehoben.33 Liechtenstein ersuchte auch um Aufnahme in die League of Nations. Doch es wurde von den Völ­ kerbundsmitgliedern als zu leicht befunden, als zu klein und unfähig, seine Staatsfunktionen und völkerrechtlichen Pflichten wahrzunehmen.34 1933 hoben Regierung und Landtag aus innenpolitischen Gründen und aus Spar­ samkeit auch die Gesandtschaft in Bern auf.35 Regierung und Verwaltung konnten nun ähnlich wie eine Kantonsregierung die kleinen und grossen Angelegenheiten zwischen Vaduz und Bern direkt regeln, oft per Telephon. Gerade in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten wünschte Liechtenstein von der Schweiz möglichst wie ein Kanton behandelt zu werden. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges schwand solcher Wunsch wieder, während die Gründung des Roten Kreuzes 1945 und der Beitritt zum Internationa­ len Gerichtshof 194936 bereits globale Anknüpfungen waren. Die Emanzi­ pation Liechtensteins in den Aussenbeziehungen brachte Liechtenstein erweiterten Gestaltungsspielraum. 9. Nischenpolitik Seit den Zwanzigerjahren ist ein weiterer, spezifischer Grundzug feststell­ bar, nämlich die Suche und Verteidigung von besonderen Quellen für Volkseinkommen und Staatseinnahmen. Mit Bezug auf die umliegenden Volkswirtschaften handelte es sich dabei um ausgesprochene Nischen. Den Weg säumen ein Spielbankprojekt, das nicht realisiert wurde,37 eine Lotterie, die von Mitte der Zwanzigerjahre bis 1934 Bestand hatte,37* Brief- 33 Eduard von Liechtenstein, Liechtensteins Weg. - Raton, S. 81. 34 Raton, S. 67-76. 35 Rechenschaftsbericht der Regierung 1933, S. 34. - Landtagsbeschluss v. 22. März 1933, LLA Landtagsprot. - Vgl. Landtagsprot. v. 29. Dez. 1933,'LLA. 36 Dazu Raton, S. 116-118. 37 Eduard von Liechtenstein, Liechtensteins Weg, S. 522. 17' Erläuterungen von Regierungschef Hoop im nichtöff. Landtag vom 9. Nov. 1933, LLA Land­ tagsprot - Landtagsprot. vom 28. Dez. 1933, LLA. - 'Liechtensteiner Nachrichten', 9. Dez. 1933. 332
        

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