Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/296/
Geschichtliche Grundzüge bene Politik und fasste Beschlüsse dazu.14 Der Landtag stritt mit dem Für­ sten heftig über den Einsatz des Militärkontingents für Österreich gegen die italienischen Freischaren. Erst als der Fürst im Lande erschien und erläu­ terte, dass dadurch Österreich Loyalität erwiesen und das Kontingent gerade aus dem preussisch-österreichischen Krieg herausgehalten würde, billigte der Landtag den Ausmarsch.15 Allerdings verhielt sich Liechtenstein dabei als Trabant Österreichs. Nach dessen Niederlage, mit dem Ende des Deutschen Bundes und auf Drängen des Landtags wurde 1868 das liechten­ steinische Militär faktisch abgeschafft.16 Ab 1918, als im Land Parteien entstanden, und ab 1921, als nach der neuen Verfassung die Staatshoheit im Volk gleich wie im Fürsten ruhte und ein Liechtensteiner Regierungschef wurde, verschob sich auch die Aussen­ politik weiter in Richtung von Regierung, Landtag und Volk. Aussenpolitik wurde und wird seither in der Öffentlichkeit, in den Par- teizeitunge;n und im Landtag diskutiert. 1989 wurde eine direktdemokrati­ sche Entscheidungsteilhabe durch ein Staatsvertragsreferendum, gefordert von einer kleinen Oppositionspartei (Freie Liste), vom Volk noch verwor­ fen. Im September 1991 wurde erneut eine ähnliche Verfassungsinitiative lanciert, diesmal von der Gewerbe- und Wirtschaftskammer, die vor allem einen EWR- oder. EG-Beitritt dem fakultativen Referendum unterstellt sehen wollte. Das Staatsvertragsreferendum ist inzwischen 1992 nach einem zustimmenden Volksentscheid in die Liechtensteinische Verfassung aufge­ nommen worden. Diese Volksbegehren bestätigen die säkulare Demokrati­ sierungstendenz in bezug auf aussenpolitische Entscheidungen,, was Aus­ senpolitik nicht leichter macht. 5. Wirtschaftliche Anlehnung In der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Wirtschaftsräume einheitlicher und zugleich nach aussen geschlossener wurden, geriet das unentwickelte Liech­ tenstein in Isolation. Die auch von Liechtenstein an die Paulskirche geknüpfte Hoffnung auf einen grossdeutschen Wirtschaftsraum zerschlug sich. Pessimi­ stische Überlegungen gingen dahin, man müsse aus wirtschaftlichen Gründen über kurz oder lang in Österreich aufgehen und es sei vielleicht besser, den Schritt gleich selber zu tun, statt das Verhängnis abzuwarten.17 14 Geiger, Geschichte, S. 366-375. 15 Ebenda, S. 382-392. 16 Ebenda, S. 397 f. " Ebenda, S. 126,130,147-151. 327
        

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