Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/295/
Peter Geiger Zollverein zustrebten, zu geben9 ein hübscher Fall von "moralischem Alibi" der Grossmacht (Hroch). Im Deutschen Bund achteten die Fürsten Johann I., Alois II. und Johann II. peinlich genau auf Erfüllung der vorab militärischen Bundespflichten, wenn auch nicht ohne Ausnahme.10 Bis nach dem Ersten Weltkrieg waren vor allem die Stellung und die Aussenpolitik des Fürsten Garanten für die Bewahrung der Eigenstaatlichkeit des Für­ stentums. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine stärkere Identifikation des Fürsten mit dem Land, die Aussenpolitik diente vermehrt auch der Ent­ wicklung des Landes." Mit dem Zerfall der Donaumonarchie Ende des Ersten Weltkrieges und dem stufenweisen Verlust der fürstlichen Güter rückte das Fürstentum für das Fürstenhaus erst ganz ins Zentrum. Die Ver­ legung des Wohnsitzes ins Land nach 1938 machte dies augenfällig. 4. Demokratisierung der Aussenpolitik Ab 1848 begann mit aussenpolitischen Forderungen des Volkes die Ver­ schiebung der Aussenpolitik vom Fürsten in Richtung von Regierung, Volksvertretung und Volk. Liechtenstein sandte einen gewählten Vertreter in die Paulskirche, erst den Historiker Peter Kaiser,- dann den Arzt Karl Schädler. Diese wehrten sich dort gegen eine drohende Mediatisierung durch Verschmelzung der kleinen Staaten.12 Und sie versuchten, Liechten­ stein in den geplanten zwei deutschen Parlamentskammern eine gewisse Vertretung zu sichern. Doch die Paulskirchenverfassung gestand Liechten­ stein zwar eines von 192 Mitgliedern im Staatenhaus zu; für die Volkskam­ mer aber wäre Liechtenstein mit seinen 7'000 Einwohnern einem öster­ reichischen 100'000-Seelen-Wahlkreis für einen Nationalvertreter zuge­ schlagen worden." Die Verfassung von 1862 machte dem Landtag aussenpolitische Mitwir­ kung möglich. Der Landtag verlangte im Konflikt um Schleswig-Holstein, bei der Bundesauflösung und im preussisch-österreichischen Krieg Auf­ klärung über die vom Fürsten und dessen Gesandten in Frankfurt betrie- 9 Geiger, Geschichte, S. 191-194. 10 Geiger, Geschichte, S. 344-374. Fürst Johann II. billigte 1861 die "Notlüge" des Landesver­ wesers gegenüber dem Deutschen Bund, höhere Präsenzzeiten des Militärkontingents, als wirklich geleistet wurden, anzugeben; ebd. S. 362. 11 Geiger, Geschichte, S. 49-51,186 ff., 216 ff., 310 ff., 336 ff. 12 Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen constituirenden National­ versammlung zu Frankfurt am Main, hrsg. von Franz Wigard, 9 Bde., Frankfurt a. M. 1848- 49, S. 3817 ffT-Vgl. Geiger, Geschichte, S. 137 ff. 13 Stenographischer Bericht (s. oben Anm. 13), S. 5549 f., 5768. - Geiger, Geschichte, S. 146. 326
        

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