Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/282/
Liechtensteinische Aussenpolitik dazu nützen, um eine glaubwürdige, modellhafte, nach aussen offene und nützliche Gemeinschaft zu sein? Auch das Faktum unserer Auslandsabhän­ gigkeit, nicht zuletzt das in erheblichem Ausmass im Ausland generierte Einkommen, sollte die Bereitschaft, unsere Umwelt nach moralischen Kri­ terien mitzugestalten, erhöhen. Ebenso prädestiniert uns unser christliches Erbe, an Leid und Freud dieser Welt nicht nur als Zuschauer teilzunehmen. Sieht man von der Nachbarschaft und der europäischen Wirtschaftsinte­ gration ab, so haben wir als Kleinstaat wenig materielle Interessen in der Aussenpolitik zu vertreten, und man hätte ja zumeist auch nicht die Macht, diese durchzusetzen. Das hat den Vorteil, dass man ideelle Werte glaubwür­ diger vertreten kann, da nicht sogleich vermutet wird, Machtinteressen damit zu verbinden. Natürlich ist dies nicht immer leicht, denn Beifall ist rascher zu erwarten, wenn man Modeströmungen vertritt und nicht Wahr­ heiten, die häufig unpopulär sind. Auch bedingt es eben, zumindest in gewissen Bereichen, einen eigenständigen Weg zu gehen. Aber durch seine grössere Freiheit und sein grösseres Interesse an einer gerechten internatio­ nalen Ordnung - denn Schutz findet der Kleinstaat ja nicht in seiner Macht, sondern nur im Recht - kann der Kleinstaat einen Beitrag zu einer solchen Ordnung leisten und nicht nur im Namen seiner wenigen Seelen sprechen. II. Realitäten liechtensteinischer Aussenpolitik 1. Aufwand In der täglichen liechtensteinischen Aussenpolitik stellt sich natürlich nicht in erster Linie die Frage nach unseren übergeordneten Zielen und der Ver­ fassung des Staates, den man nach aussen zu vertreten hat, sondern nach den konkreten Aufgaben unserer Diplomatie und den dafür zur Verfügung ste­ henden Mitteln. Lassen Sie mich zuerst kurz über die uns zur Verfügung stehenden Mit­ tel sprechen und insbesondere über den finanziellen und personellen Aspekt. Denn es scheint mir wichtig zu sein, darauf hinzuweisen, dass bis. vor kurzem unsere finanziellen Aufwendungen für aussenpolitische Belange auch in relativen Zahlen äusserst bescheiden und vielfach unter dem lagen, was andere Staaten für ihren diplomatischen Apparat im Verhältnis zum Gesamtbudget ausgeben: Die direkten Aufwendungen für unsere aus­ senpolitische Maschinerie belaufen sich auch heute noch um ein Prozent unseres Landesbudgets. Wenn man bedenkt, dass wohl beinahe die Hälfte 311
        

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