Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/234/
Helmut Kramer der Staaten im internationalen System - wie von Robert O. Keohane vorge­ schlagen10 - oder geopolitische Indikatoren wie die geographische Nähe oder Distanz zu Grossstaaten, ein bestimmtes Niveau von externer Abhän­ gigkeit bzw. externer Durchdringung oder die Perzeption des eigenen Sta­ tus des internationalen Systems durch Gesellschaft und politische Klasse, wurden zwar weiter als anregende Vorschläge gehandelt, aber wegen ihrer zu scharfen Grenzziehung und Dichotomisierung, ihrer die "Relationalität" des Kleinstaaten-Konzeptes zu wenig berücksichtigenden Annahmen nicht konsensual akzeptiert. Diese Abgrenzung der Kategorie "Kleinstaaten" als relationaler Begriff, womit auch auf eine scharfe Grenzziehung von "gross/klein", "mächtig/ohnmächtig" verzichtet wird, geht Hand in Hand mit einem kla­ ren Votum für eine regionale Gruppierung von Kleinstaaten und Klein­ staatlichkeit. Die Versuche behavioristischer Kleinstaaten-Forscher - zu nennen ist hier insbesondere Maurice A. East -, die Kleinstaaten der 1. Welt, der (früheren) 2. und der 3. Welt als einheitliche Kategorie zu nehmen und auf dieser Basis verhaltensmässige Ähnlichkeiten in bezug auf aussenpoliti- sches (Risiko-) Verhalten abzuleiten bzw. abzutesten - ein Versuch, der wie die Replikation der Untersuchungsanordnung von East durch Robert D. Duval und William R. Thompson zeigt, auch methodisch-empirisch äus­ serst fragwürdig abgesichert war" - wurde durch die auf der Laxenburger Konferenz repräsentierte Kleinstaaten-Wissenschaftlergemeinde als unpro­ duktiv und ahistorisch kritisiert und abgelehnt. Gegenüber dieser Tendenz zur Ausblendung der primären Abhängigkeitsstrukturen von Kleinstaaten, der ökonomischen Dimension und der Position des jeweiligen Kleinstaates in der internationalen Arbeitsteilung wurde die grundlegende Differenz im "Kleinstaaten-Dilemma" zwischen wirtschafdich entwickelten Industrie­ staaten und Entwicklungsländern betont. Das Konzept "Grösse" bzw. "Kleinheit" wurde bewusst und explizit als offenes und probabilistisch zu handhabendes Konzept verstanden und angewendet. 10 R. O. Keohane, Lilliputians' Dilemma: Small States in International Politics, International Organization. Vol. 23,1969, S. 291-310. 11 In der Replikation der Untersuchung Easts durch R.D. Duval und W. R. Thompson (Reconsidering the Aggregate Relationship between Size, Economic Development and some Types of Foreign Policy Behavior, American Journal of Political Science, Vol. 24, 5 August 1980, S. 511-525) wird das empirische Ergebnis der Eastschen Analyse falsifiziert - "contrary to the findings of East (1973), the proportion of verbal and nonverbal behavior is found to be unrelated to size" (S. 511) - und auf die gravierende methodischen Fehler in der Untersuchungsanordnung hingewiesen. 254
        

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