Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/223/
Historische Aspekte die Insel Malta, die baskischen Länder usw. Im Gegenteil: Es konnte jener Kleinstaat überleben, der keine strategische Bedeutung besass. Als nützlicher Satellit trat der Kleinstaat sehr häufig in der europäischen Geschichte hervor, als eine kleine Figur auf dem Schachbrett der Gross­ mächte. Die französische ebenso wie die habsburgische Politik benutzte die italienischen Kleinstaaten als "Verbündete" im Rücken des Gegners. Als 1640 der katalanische Aufstand ausbrach, nutzte die französische Politik auch Katalonien als ein Instrument im Kampf gegen Spanien. Ahnliche Ziele verfolgte die französische Diplomatie, als sie ein halbes Jahrhundert später den antihabsburgischen Aufstand Transsilvaniens. unter Ferenc Rakocsi. stützte. Seit dem 18. Jahrhundert wurde dieses Ausnutzen der Kleinstaaten im diplomatischen Spiel üblich. Das änderte sich auch nicht mit der Französischen Revolution: Das Direktorium baute sogar ein ganzes System abhängiger "Schwesterrepubliken" auf und wollte auch das ent­ fernte Irland als Verbündeten ausnutzen. Während des 19. Jahrhunderts versuchte, jede Grossmacht, ein mehr oder weniger ausgedehntes System kleiner Satelliten aufzubauen, was nicht immer nach Wunsch gelang. So wurde Serbien zum Satelliten Russlands, Griechenland dagegen zum Satelli­ ten der Westmächte. Ziemlich selten diente der Kleinstaat als Vorwand zu Kriegserklärungen zwischen den Grossmächten. Wir sollten uns hier nicht durch die neueste Geschichte - die Rolle Serbiens beim Ausbruch des Ersten und des Frei­ staats Danzig beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - zu einer nicht belegbaren Rückprojizierung verführen lassen. Natürlich gab es Donau­ wörth am Anfang des 17. Jahrhunderts, Mantova 1626, Strassburg 1683, usw., aber eben diese Beispiele zeigen, dass hier der Streit um einen Klein­ staat eher zu einer Krise in den internationalen Beziehungen führte, anstatt einen Krieg zu provozieren. Es sollte noch eine andere, oft wiederholte Vorstellung von der Rolle des Kleinstaates erwähnt werden, die empirischen Tatsachen nicht entspricht, nämlich die Ansicht, dass der Kleinstaat eine wichtige Rolle als Vermitder zwischen den Grossmächten spielte. Hier wird die Kategorie des mittleren Staates mit der Kategorie des Kleinstaates verwechselt. Die meisten Klein­ staaten besassen weder eine ausreichende Autorität noch ausreichende Geldmittel, um bedeutendere diplomatische Aufträge übernehmen zu kön­ nen. Wenn wir mehrere Reichsfürsten im habsburgischen diplomatischen Dienst finden, dann sollten wir sie nicht als Repräsentanten eines Kleinstaa­ tes betrachten. Ihr Dienst war. meistens auf persönlicher Basis (Kaiser - 241
        

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