Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/219/
Historische Aspekte Staat, oder sie gerieten gemeinsam in die Abhängigkeit einer Grossmacht. Als Beispiele könnte man die sieben englischen Königreiche anführen, die nordhispanischen Staaten, die sich im Verlauf der Reconquista zusammen­ schlössen oder die.südfranzösischen Länder im 13. Jahrhundert. Im Schwä­ bischen Gebiet bewährte sich dieser Zusammenschluss der Kleinen für einige Zeit, aber sonst war die Zusammenarbeit der kleinen Fürstentümer in anderen Reichskreisen durch die Dominanz eines oder einiger mächtiger Fürsten geprägt. Im 14./15. Jahrhundert waren die Allianzen der Kleinstaa­ ten in Italien ein Normalfall, aber im Laufe der Zeit wurde auch hier die Hegemonie der Grossmächte bestimmend. In der europäischen Geschichte sind wohl nur zwei Fälle des dauerhaften Zusammenschlusses von Klein­ staaten bekannt, die nicht in einer vollen Integration oder mit Identitätsver­ lust endeten. Dies sind die Schweizer Kantone und die nordniederländi­ schen Provinzen. Der mehr oder weniger freiwillige Zusammenschluss kleiner Staaten führte hier zur Bildung eines föderativen Staates, der in neu­ ester Zeit immer wieder als das beste Modell für die Lösung der Spannung zwischen Regionalismus und Zentralismus betrachtet wurde. Hier wird ein wichtiges Beispiel für die positive Rolle des Kleinstaates bei der Suche nach Lösungen der ernsten Probleme der europäischen Staatenordnung geliefert. In einigen anderen Fällen bildete sich jedoch durch den Zusammen­ schluss von Kleinstaaten ein moderner Nationalstaat. In England, Spanien und Frankreich lief dieser Prozess als Produkt der Zentralisierung des Feu­ dalstaates schon im Mittelalter ab. Es folgten dann Jahrhunderte, in denen Gebiete mit einem überwiegenden Anteil an Kleinstaaten mit der zentrali­ sierten Monarchie und dem entstehenden absolutistischen Staat konkurrie­ ren mussten. Erst im 19. Jahrhundert verwandelten sich die klassischen Gebiete der Kleinstaaterei mit dem Fürsten als typischem Repräsentanten in den deutschen und italienischen Nationalstaat. Nicht überall hatte der Herrscher des Kleinstaates die Möglichkeit oder das Interesse, mit anderen Kleinen eine Allianz zu bilden. Daneben gab es noch die Möglichkeit, im Spannungsfeld zwischen zwei oder mehreren Mächtigen zu taktieren. In dieser Situation verteidigten die Herrscher des Kleinstaates ihre relative Unabhängigkeit dadurch, dass sie sich keiner der streitenden Grossmächte anschlössen. Mit einer Portion Glück und mit viel diplomatischem Geschick behielten durch ein solches Vorgehen die hansea­ tischen Städte Hamburg, Bremen und Lübeck ihre Selbständigkeit ebenso wie die Späte Republik Venezien, das Herzogtum Kurland oder Holstein- Gottorp. So kam es übrigens auch zur Neutralisierung von Luxemburg. Ein 237
        

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