Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000055861/163/
Verfassungsstaat b) Folgerungen für den Kleinstaat Dass hier die Skizze einer Verfassungstheorie des Raumes gerade aus Anlass der Kleinstaaten vorgelegt wird, schliesst den Verdacht jeder Art von "Grössenwahn" von vorneherein aus.100 Es geht nicht um "mehr Raum" für irgendeinen Verfassungsstaat, sondern um eine ideelle Hochbewertung des Raumes für jeden Verfassungsstaat und seine kulturanthropologische Instrumentalisierung. Dem Kleinstaat ist er besonders kostbar und teuer (knappe Ressource Raum und Personen). Und die räumliche Nähe aller mit allen, wie sie den Kleinstaat auszeichnet, in manchem aber auch benachtei­ ligt, muss von jeder verfassungsstaatlichen Kleinstaatentheorie bedacht wer­ den. Der Raum ist gewiss nur ein Element im Gesamtmosaik des Kleinstaa­ tes als Typus und der Kleinstaaten als Beispiele, aber er ist im angedeuteten Sinne kulturanthropologisch einzuordnen. Raumkomponenten wie Insellage (die die Identitätsgewinnung erleich­ tert), Anzahl der Nachbarn, Grösse des kulturellen Raumes, Ethnisches sind Ansatzpunkte. Inkurs: Ein Trend zu Kleinstaaten im Rahmen der Zerfallserscheinungen des Ostblocks? Der Kleinstaat gewinnt derzeit hohe Aktualität; zwar nicht im technischen Sinne (Kleinstaat definiert durch die Mindestbevölkerung bis 500 000 Ein­ wohner)101, wohl aber in Form kleiner Staaten zeichnet sich heute in Osteu­ ropa ein Trend zu dieser Variante des Verfassungsstaates ab. Man denke an die Loslösung der drei Baltenrepubliken Litauen, Esdand, Letdand von der UdSSR102 und an das Ausscheiden von Slowenien und Kroatien aus Jugosla­ wien (1991). Zu hoffen ist, dass die hier entstehenden kleinen Verfassungs­ staaten auf dem Erfahrungsschatz der eigentlichen "Kleinstaaten" aufbauen werden und dass die Verfassungstheorie des "Kleinstaates" diese "kleinen Staaten" einbezieht. Ja, es ist zu fragen, ob sich mittelfristig eine Art 
Skala abzeichnet; sie siedelt den (ja sich differenzierenden) "Kleinstaat" am unte­ ren Ende an, die "kleinen Staaten" wie die Schweiz und Luxemburg in der 100 Darum hat der Verf. erste Versuche in Sachen Raumtheorie auch in seiner Schrift "Kultur­ politik in der Stadt - ein Verfassungsauftrag", 1979, S. 38 ff. unternommen. 101 So z. B. H. v. Wedel, Der sog. "Mikrostaat" im internationalen Verkehr, VRÜ 5 (1972), S. 303 (304 f.). 102 Estland (45100 Quadratkilometer) hat 1,6 Millionen Einwohner, Letdand (64500 Qua­ dratkilometer) hat 2,7 Millionen Einwohner, Litauen (66000 Quadratkilometer) hat 3,7 Millionen Einwohner, Armenien (30000 Quadratkilometer) hat 3,3 Millionen Einwohner (Angaben nach FAZ vom 28. August 1991, S. 16). Gagausen in Moldavien will ein eigener Kleinstaat werden (FAZ vom 3. Sept. 1991, S. 2). 173
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.