Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/99/
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ein Punktedasein. Die Kartographen geraten in Verlegenheit, denn 
um das Land mit seinem vollen Namen zu bezeichnen, müssen sie 
österreichisches oder schweizerisches Gebiet «annektieren». Frage: 
Wie soll ein Staat, der zu klein ist, um seinen Namen auf sein eigenes 
Hoheitsgebiet zu schreiben, eine Außenpolitik betreiben? Ist er nicht 
ein kleiner Gernegroß? 
Ein zweites: Am Länderspiel um die Fußballeuropameisterschaft zwi 
schen der Schweiz und England in Basel waren 56.000 Zuschauer an 
wesend, rund- zweieinhalbmal die Einwohnerzahl Liechtensteins. 
Frage: Wie kann ein Land eine aktive und selbständige Außenpolitik 
gestalten, dessen gesamte Bevölkerung nicht einmal einen stimmungs 
vollen Rahmen für ein Fußballänderspiel abgeben würde? 
Spätestens hier wird man mir entgegenhalten, daß dies eine tenden 
ziöse Fragestellung sei, und darauf hinweisen, daß sich das Gewicht 
eines Staates nicht nur aus Größe und Bevölkerungszahl herleitet. 
Neben den genannten würden auch staatspolitische, wirtschaftliche, 
kulturelle und historische Faktoren die Geltung eines Staates in der 
Weltöffentlichkeit bestimmen. — Die beiden zufälligen Beispiele soll 
ten jedoch nur als Hinweis darauf dienen, welche psychologischen und 
politischen Hemmnisse (um nicht von Komplexen zu reden) dem 
Denken an die Möglichkeit und sogar Notwendigkeit einer liechten 
steinischen Außenpolitik entgegenstehen. 
IV. Dabei habe ich nur nach dem «Wie» gefragt und die zweifellos 
fundamentalere Frage nach dem «Ob überhaupt» vernachlässigt. 
Nicht ohne Grund und in der Meinung, daß diese Frage in den vor 
angegangenen Referaten dieser Reihe ausreichend geklärt worden sei. 
Es kann kein Zweifel mehr darüber bestehen: Liechtenstein befindet 
sich heute in einer Phase seiner Geschichte, wo es gilt, sich gegenüber 
dem Ausland zu profilieren. Liechtenstein wird, davon bin ich über 
zeugt, den Beweis seiner staatlichen Substanz anzutreten haben. 
Glaubwürdigkeit wird einem nicht ohne weiteres geschenkt. Und da 
mit, daß Liechtenstein von anderen Staaten und internationalen Or 
ganisationen für «voll» genommen wird, damit steht und fallt jede 
Art von außenpolitischer Aktivität. 
Diese Aussage gilt ungeachtet der bevorstehenden Verhandlungen der 
nichtbeitrittswilligen Länder, darunter der Schweiz, mit der EWG 
betreffend die Errichtung einer Freihandelszone zwischen EWG und 
dem Rest der EFTA. Die bisherigen politischen Gepflogenheiten legen 
die Vermutung nahe, daß auch Liechtenstein schlußendlich in irgend 
einer Weise auf diesen Zug aufspringen wird, der Ende 1972 an 
seiner Endstation, der Freihandelszone, anlangen soll. Dieser wirt 
schaftliche Weg der Schweiz wird wohl auch der Weg Liechtensteins
        

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