Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/93/
101 
sonders daran gelegen ist, den Zusammenhalt über die Trennung zu 
stellen und das Recht über das Gewicht der Macht. Ganz sicher wer 
den sie nicht viel stören. Mit solchen Grundentscheidungen wird letzt 
lich beispielsweise für manche europäisch Gesinnte die Frage beant 
wortet, was es mit einem gemeinschaftlichen Europa auf sich habe. 
So bekräftigte beispielsweise auch die Haager Gipfelkonferenz von 
Ende 1969, allerdings ohne die kleinen Staaten speziell anzuvisieren, 
daß die EWG ihre Ziele «unter Wahrung der nationalen Eigenart 
der europäischen Staaten» verfolge 16 ). Europa als Gemeinschaft kann 
nicht Auslöschen aller heißen und schon gar nicht «Ausradieren» 
einiger durch die anderen. 
Dennoch tut Liechtenstein gut, über alle möglichen Variationen nach 
zudenken, wo es um seine Zukunft geht. 
Wenn Sie mich fragen, was ich persönlich für Liechtenstein als beste 
Lösung halte, so ist es, falls sie möglich ist, die erste Variation, die 
der Mitwirkung in der Integration allgemein und in Europa als echter 
Partner. Sie ist die natürlichste Lösung. Mit dem zunehmenden Sub 
stanzverlust des Zollvertrages wäre auch ein neues partnerschaftliches 
Verhältnis zur Schweiz zu begründen. Vizeregierungschef Dr. Walter 
Kieber hat wohl aus solchen Gründen in einer Rede am 5. Juli 1971 
erklärt: «Wir sollten den Mut haben, mit der Schweiz über neue 
Modalitäten unserer Integration zu reden» 17 ). Vielleicht könnte die 
Schwächung des Zollvertrages durch weitere Zusammenarbeit auf 
kulturellen Gebieten aufgewogen werden. Liechtenstein durfte in 
langen Jahren auch die Freundschaft und das Wohlwollen des im 
Rahmen der Verträge diensttuenden schweizerischen Personals und 
vieler hervorragender Persönlichkeiten, die ihm vorstehen, erfahren. 
Dies möchten wir auch in Zukunft nicht missen. Mit der Schweiz 
verbinden uns aber nicht nur eine Vielfalt bewährter gutnachbarlicher 
und vertraglicher Beziehungen, sondern eine Verwandtschaft des 
Denkens über Gesellschaft und Staat. Ein Schweizer Botschafter hat 
mir Ende 1969 die Sätze geschrieben (in Übersetzung): «Glauben Sie 
mir, daß ich mich insbesondere gefreut habe, festzustellen, bis zu 
welchem Punkt unsere beiden Länder sich nahe sind, nicht nur durch 
die Tatsache der Geographie, sondern vor allem durch eine Philo 
sophie und ein Verhalten vor den Menschen und dem Leben der 
Völker, die uns gemeinsam sind.» Auch mit Österreich besteht freund 
schaftliche Verbundenheit in der Gegenwart und durch jahrhunderte 
lange gemeinsame Geschichte und Kultur und durch viele übemom- 
# ) Schlußcommuniquf der Haager Gipfelkonferenz der EWG-Staaten vom 1./2. 12. 1969. 
17 ) Rede am Parteitag der Fortschrittlichen Bürgerpartei, j. 7. 1971, Seite 9.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.