Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/90/
im und zum Ganzen. Und es ist das eigentümliche Problem des Klei 
nen, daß der multilaterale Zusammenschluß für ihn besonders 
schwierig und herausfordernd ist. — Dies betrifft auch Liechtenstein. 
Die Zeiten außenpolitischen Jüngerschlafes an der schützenden Seite 
der Schweiz gehen zusehends dem Ende entgegen, wie auch die Zeiten 
wirtschaftlichen Lebens «in floribus» auf höchstem Standard. 
Liechtenstein wird in jedem Falle, besonders in der westeuropäischen 
Integration wirtschaftliche Opfer bringen. Ob es Mitglied oder asso 
ziiertes Mitglied sich integrierender europäischer Gemeinschaften 
wird, ob ihm sozusagen als Fast-Protektorat andere ihre Beschlüsse 
überbinden, ob es s ich einem anderen Staat anschließt, es wird seinen 
Teil an die gemeinschaftlichen Anstrengungen zu leisten haben. Dies 
trifft uns umso empfindlicher, als wir gewohnt waren, teils von an 
deren, sehr genüßlich zu leben. Und wenn Liechtenstein fern und 
frei bliebe, und sich unsere gewerbliche Exportwirtschaft in Liech 
tenstein halten und durch Parallelbetriebe im Ausland hinreichend 
absichem könnte, wären Opfer der Umstellung und der Führung 
eines geordneten Staatswesens zu erbringen. 
Besonders schwer wiegt der unausweichliche Substanzverlust unseres 
Zollvertrages mit der Schweiz, in dem Maße, als sich die Schweiz 
selbst in die umgreifende wirtschaftliche Integration begibt. Auch 
wenn der Einbezug mit einer Freihandelszone (und einigen anderen 
Dingen!) anfangt, ist die Schweiz bereits an der «zweiten Genera 
tion» der EWG interessiert 13 ). Die seinerzeitige liechtensteinische 
Markterweiterung in die Schweiz hinein wird allmählich von der 
umfassenderen Markterweiterung der Europäischen Gemeinschaften 
übernommen 14 ). Dies ist ein Faktum, und dessen Feststellung ist nicht 
Undank gegenüber der Schweiz. Ja, die Feststellung machen zu müs 
sen, stimmt einem nachdenklich. Das Aufreißen der Grenzen bedeu 
tet für einen Staat, der sich so sehr an die Schweiz gewöhnt und ihr 
viel zu verdanken hat, zollvertraglich und wirtschaftlich teilweise 
den Verlust des Geschütztseins in vertrauter Größenordnung und in 
freundschaftlicher Bilateralität. 
So werden wir geradezu in die multilaterale Konfrontation gestoßen, 
und niemand kann uns den Gang in die Zukunft über die vielen 
Wegkreuzungen ersparen. Auch Sitzenbleiben ist ein Entscheid. Der 
Entscheidungszwang trifft uns in einer Zeit, da vielerorts das Ver- 
") «Schweizerische Erklärung an der Zusammenkunft auf Ministerebene zwischen den Europäischen 
Gemeinschaften und der Schweiz», Brüssel, 10. u. 1970, veröffentlicht in BB1. 1971 I 37, Seite 66. 
Bericht des Bundesrates über «Die Entwicklung der europäischen Integrationsbestrebungen und die 
Haltung der Schweiz» vom 11. 8. 1971, bs. Seite 117 f., 12$ f., 129. 
14 ) Anders als die EFTA, die immer nur als Provisorium betrachtet wurde und im Handelsaus 
tausch niemals an die Bedeutung der EWG herankommt.
        

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