Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/73/
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von Abgaben, zahlte Steuern und verrichtete Frondienste. Der Unter 
tan war aber zugleich auch Genosse und hatte als solcher teil am 
umfangreichen Gemeinbesitz der Gemeinden und den daraus erwach 
senden Verpflichtungen. Neben der Landwirtschaft kamen nur noch 
nebenberuflich betriebenes Gewerbe und Rodfuhrwerk als Erwerbs 
quellen in Betracht. Liechtenstein war in der Lage, in normalen 
Emtejahren mit einer extensiv betriebenen Landwirtschaft seine Be 
völkerung zu ernähren. Das Land war noch lebensfähig ohne beson 
dere wirtschaftliche Bindungen und Beziehungen zu den benachbar 
ten oder weiter entfernt liegenden Staaten. 
Außenpolitisch war Liechtenstein zur selben Zeit innerhalb des 
Schwäbischen Kreises eingeordnet in das größere Ganze des Deut 
schen Reiches. Daß das Fürstentum in diesem Verband von etwa 300 
souveränen Staatswesen schon seit langer Zeit mitwirkte, ist sicher 
zum geringsten Teil auf wirtschaftliche Beweggründe zurückzufüh 
ren. Was hätte ein sich selbst versorgendes Agrarland wirtschaftliche 
Hilfe oder Ergänzung suchen sollen? Die liechtensteinische Außen 
politik war darauf ausgerichtet, die Stellung als «Souveraines Reichs 
fürstenthum» und damit verbunden die Position des Fürsten im Reich 
und am kaiserlichen Hof in Wien zu bewahren. Die Bewohner des 
Fürstentums hatten die Kosten dieser Politik zu tragen: für die 
Stimmvertretung beim Schwäbischen Kreiskonvent in Ulm, für das 
zu stellende fünfköpfige Militärkontingent und die anfallenden 
Reichsanlagen in Friedenszeiten jährlich rund 500 bis 600 Gulden. 
Bei jährlichen Staatsausgaben im heutigen Sinn von etwa 6000 bis 
8000 Gulden war dies ein Betrag, der zwar nicht gerne bezahlt wurde, 
aber keineswegs eine besonders schwere Belastung darstellte. 
Als um die Jahrhundertwende die im Gefolge der französischen Re 
volution eingetretenen kriegerischen Ereignisse, Drangsale und Nöte 
mit aller Wucht auch über unser kleines Land hereinbrachen und es 
in einen wirtschaftlichen Tiefstand ohnegleichen stürzten — : sämt 
liche Kriegserlittenheiten betrugen bei einem Bevölkerungsstand von 
etwa 5000 Einwohnern rund eine Million Gulden! —, da wurde den 
Liechtensteinern mit aller Deutlichkeit klar, was es heißt, starke 
außenpolitische Bindungen zu haben. Liechtenstein wurde 1806, aus 
dem Reichsverbande losgelöst, ein selbständiger und unabhängiger 
Staat. Dieselben Rheinbundakte, die das Land mit der Souveränität 
beschenkten, beluden es auch mit neuen schweren Lasten. An den 
Rheinbund war nun ein Kontingent von 40 Mann zu stellen. Diese 
und weitere Auslagen erforderten eine stärkere Inanspruchnahme der 
Steuerkraft, eine Zentralisierung der Verwaltung, ja einen äußerst 
schmerzhaften Bruch mit der gesamten alten wirtschaftlichen und
        

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