Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/65/
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schränken. Doch sollte Liechtenstein innerhalb des Ganzen und ge 
genüber Österreich autonom bleiben. Da aber die Nationalversamm 
lung den deutschen Partikularismus nicht an der Wurzel, bei den 
größeren Staaten, zu kurieren vermochte, suchte sie das Symptom, die 
kleinen Staaten, zu behandeln, das heißt, sie größeren einzuverleiben, 
zu mediatisieren. Peter Kaiser äußert die ernstesten Befürchtungen 
aus Frankfurt: 
«Würde unser Ländlein in Verwaltungs- oder Gerichts Sachen zu 
einem Nachbarstaat geschlagen, so wäre es besser, die Selbständig 
keit gänzlich aufzugeben. Ich würde es zwar in mancher Hinsicht 
bedauern; aber wenn das Ländlein nichts Eigenthümliches hat, 
wenn es im östreichischen System mitziehen muß, ist es dann nicht 
besser, es sei ganz östreichisch?' (2. Juli 1848). 
Doch versprach er, der noch wenige Wochen zuvor eine liechtenstei 
nische Republik erwogen hatte, dem Fürsten im September 1848, sich 
für die liechtensteinische Selbständigkeit «unter der milden und ge 
rechten Regierung» des Fürsten einzusetzen. 
In einem Schreiben beruhigte der zurückgekehrte Kaiser dann seine 
Landsleute: Die kleineren Staaten könnten nicht gegen ihren Willen 
mediatisiert werden; Liechtenstein müsse im Rahmen Deutschlands 
nach unabhängigen Einrichtungen streben; diese Selbständigkeit aber 
könne nur gewissenhafte Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber 
Deutschland sichern; so sollte es nach ihm den Liechtensteinern mög 
lich sein, ein Völklein vorzustellen, «das Niemandem gefährlich ist, 
aber doch allen Achtung abnöthigt». 
Die Nationalversammlung lehnte die zwangsweise Mediatisierung 
denn schließlich auch ab. Karl Schädler, der seit Anfang Januar 1849 
in Frankfurt wirkte, erschien ein deutscher Bundesstaat nach 
schweizerischem Vorbild, mit Einschluß Österreichs und damit 
Liechtensteins, erstrebenswert. Sein Bemühen um ein möglichst gro 
ßes Mitspracherecht Liechtensteins im künftigen deutschen Reich 
trug ihm indes nichts als den Vorwurf des Partikularismus ein. Die 
düsteren Aussichten schlugen sich in einem Brief Schädlers an Lan 
desverweser Menzinger nieder: Man erdrücke die kleinen Staaten, um 
sie so indirekt zur Aufgabe der Selbständigkeit zu zwingen: 
«In Betrachtung der Verhältnisse wie sie sind, und wie sie vor 
aussichtlich kommen müssen, verfolgt mich seit einiger Zeit unab 
lässig eine quälende Frage: sollen wir nicht jetzt, wo es Zeit ist 
und leicht gienge, selbstthätig auf Mediatisirung dringen, oder sol 
len wir uns passiv am Schlepptau der Ereignisse durch diese früher
        

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