Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/63/
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Liechtensteinische Außenpolitik in der 
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
Peter Geiger 
Nach Aristoteles ist es Aufgabe des tüchtigen Gesetzgebers, die 
staatliche Gemeinschaft zu einem tugendhaften Leben und zum mög 
lichsten Grad von Glückseligkeit zu führen, und Teil dieser Aufgabe 
ist die Sorge, wie man gegen jeden Nachbarstaat das Geeignete in 
Anwendung bringe. Das Geeignete gegen seine' Nachbarstaaten, im 
weiteren Sinne, in Anwendung bringen: diese außenpolitische Auf 
gabe fiel in den zwei Jahrzehnten nach 1848 umso schwerer, als 
wieder einmal die Nachbarwelt in Umbruch geriet. 
Die Bedingungen der liechtensteinischen Außenpolitik sind bekannt: 
geringe Größe, besondere geopolitische Lage am äußersten Rand 
Deutschlands und mit diesem nur durch den Koloß der Donaumonar 
chie verbunden, wirtschaftliche Bedrängnis, aus allem resultierend 
das Fehlen jeder Macht. Ebenso bekannt sind die Ziele: Wirtschaft 
liche Lebensfähigkeit und Erhaltung der Selbständigkeit. 
Im folgenden fragen wir auf dem Hintergrund einiger Fakten vor 
allem nach dem Charakter und den Trägern der liechtensteinischen 
Außenpolitik in dieser Zeit, um schließlich die Grundlinien nachzu 
zeichnen. 
1848 siegte die bürgerliche Revolution vorerst fast überall. In der 
Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 
suchten gewählte deutsche Volksvertreter einen deutschen National 
staat zu schaffen. Nach mehr als einem Jahr permanenter Sitzungs 
arbeit scheiterte das Werk an der österreichischen Frage und an den 
realen Machtverhältnissen in Deutschland. Das lose Band des Deut 
schen Bundes bot sich wieder an. Dennoch war die Situation ver 
ändert: Zwischen Österreich und Preußen, das jenem die Hegemonie 
in Deutschland zu entreißen suchte, brach der Antagonismus nun 
dauernd auf. 
1852 schloß Liechtenstein mit Österreich den Zoll- und Steuerver 
trag, der Liechtenstein ins österreichische Wirtschaftsgebiet integrierte. 
In den kriegerischen Verwicklungen der fünfziger und sechziger 
Jahre — Krimkrieg, österreichisch-italienischer Krieg, deutsch 
dänischer Krieg — standen sich im Hintergrund, und am Bundestag
        

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