Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/58/
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tenstein bayerischer Besitz lag und Bayern sich damals ziemlich län 
derhungrig zeigte, Johann I. dazu noch in österreichischen Diensten 
stand, war dieses Gerücht nicht ohne weiteres von der Hand zu 
weisen. 
Durch seine Mitgliedschaft beim Rheinbund erwuchsen Liechtenstein 
durch eine Reihe von Verträgen Verpflichtungen, wie es solche zuvor 
nie gekannt hatte. Vor dem Beitritt des Fürstentums zum Rheinbund 
war seine Außenpolitik bedeutungslos gewesen. Sie bestand darin, 
Streitigkeiten mit dem Gericht Rankweil und Differenzen mit der 
Schweiz wegen Grenzberichtigung beizulegen. 
Nun aber folgten gleich zwei wichtige Verträge mit dem Herzogtum 
Nassau: 1806 und 1809 verpflichtete sich Nassau, gegen die Zahlung 
einer bestimmten Summe für Liechtenstein die Truppen zu stellen, die 
Napoleon gefordert hatte. Wenn dem Lande Liechtenstein dadurch 
auch große finanzielle Lasten aufgebürdet wurden, so wählte man 
doch das kleinste von mehreren Übeln, da es Liechtenstein durch diese 
Verträge erspart blieb, einen hohen Blutzoll zu entrichten. . 
Als sich nach der Niederlage in Moskau (1812) Napoleons militäri 
sches und politisches Ende abzuzeichnen begann, schwenkten manche 
Fürsten in das Napoleon feindlich gesinnte Lager. Im Juni 1813 
versprach Österreich, gegen Napoleon zu kämpfen. Von eminenter 
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der Vertrag von Treplitz 
(9. September 1813), in dem den Rheinbundfürsten die Souveränität 
zugesichert wurde, um sie mit diesem Köder von Napoleon wegzu 
ziehen. 
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig stand nun Liechtenstein nichts 
mehr im Wege, endgültig mit dem Rheinbund zu brechen. Am 
7. Dezember 1813 entsagte Fürst Johann in aller Form dem Rhein 
bund und versprach, die notwendigen Truppen aufzustellen. Als Ge 
genleistung wurde von Österreich die Souveränität Liechtensteins 
garantiert. Bedingt durch diesen Vertrag mußten zweimal liechten 
steinische Truppen in den Krieg ziehen. (25. Februar 1814 bis 23. Juli 
1814, Mai bis November 1815.) 
Während Liechtenstein durch die Stellung von Truppen große Lasten 
auf sich nehmen mußte, tagte in Wien der Kongreß, der über das 
Schicksal Europas zu entscheiden hatte. Die Aufgaben des Wiener 
Kongresses waren zweifach: 
1. war er ein europäischer Friedenskongreß; 
2. ein deutscher Verfassungskongreß. 
Für die Klein- und Kleinstaaten bestand die Gefahr, daß sie von 
den Verfassungsverhandlungen ausgeschlossen wurden, daß also ihre 
Unabhängigkeit bedroht war.
        

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