Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/54/
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gebieten wird nach sorgfältiger Abklärung die Handlungsfähigkeit 
der Mitglieder eingeschränkt, wie etwa auf dem Gebiet der Zölle 
und Kontingente oder der öffentlichen Ausschreibungen gemäß 
EFTA-Vertrag Art. 14. Im Gegensatz zur EWG sind der EFTA auch 
keine politischen Ziele gesetzt, vielmehr beschränkt sich ihre Tätig 
keit ausschließlich auf wirtschaftliche Angelegenheiten: sie gilt vor 
allem der Außenwirtschaft. Wohl gerade aus diesem Grunde lehnt 
die EWG das Prinzip der Freihandelszone als alternative Lösung zur 
Schaffung des großen Marktes ab und hält daran fest, daß die be 
stehende Zollunion zur politischen Union werden soll. 
Die staatspolitische Frage dürfte deshalb maßgebend sein für die Art 
der Verständigung mit der EWG, welche Liechtenstein anstreben 
könnte. 
Bisher wurde der Fragenkomplex nur unter der Fiktion einer Voll 
mitgliedschaft Liechtensteins in der EWG betrachtet. Als große 
Alternative dazu stellt sich ein Assoziierungsverhältnis zur EWG «unter 
besonderer Berücksichtigung der spezifisch liechtensteinischen Ver 
hältnisse» — eine Minimallösung, wie sie die Schweiz momentan an 
strebt. Wenn die EFTA-Minister in ihrer Erklärung vom 28. April 
1967 davon sprachen, daß die Initiative Großbritanniens neue Mög 
lichkeiten für die Schaffung eines umfassenden europäischen Mark 
tes aufzeigen könnte, an dem alle EFTA-Länder teilnehmen könnten, 
so war das wohl nicht mehr als Ausdruck eines Wunschdenkens. Es 
bedeutet auch nicht viel, wenn etwa gesagt wird, Liechtenstein wolle 
und müsse am großen Markt teilnehmen. Die Frage ist, unter wel 
chen Bedingungen dies möglich wäre. Die Antwort auf diese Frage 
ist entscheidend, und nicht der Wunsch, den zollfreien Zugang zum 
großen Markt zu gewinnen. Die Wirklichkeit wird uns voraussicht 
lich vor schwerwiegende Entscheidungen stellen und der obersten 
Landesbehörde wie auch den Unterhändlern kaum lösbare Aufgaben 
bringen. 
Entscheidungen solcher Art sind nur vordergründig Entscheide über 
die Wirtschaftspolitik. Die Vermutung liegt nahe, daß bei solchen 
Entscheiden der Staatsidee eine Bedeutung zukommt, die sie im allge 
meinen jetzt nicht mehr hat. Wir können den Fragenkomplex, um 
mit Professor Karl Schmid zu spechen, letztlich auf die Frage redu 
zieren: Was wollen wir eigentlich? Was wollen wir bekommen? Was 
wollen wir bewahren? Wie wollen wir unsere eigene Zukunft gestal 
ten? 
Die Antwort ergibt sich aus dem vorher Gesagten und aus der Art 
der Fragestellung. Gewiß ist die Frage nach der Effizienz unserer 
Wirtschaft von eminenter Bedeutung (im Kleinstaat ganz besonders).
        

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