Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/51/
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politische Union gehandhabt werden kann, daß aber eine politische 
Union nicht ohne gemeinsame Handhabung dieser verschiedenen Teil- 
politiken zustande kommen kann. Daß also der ganze Prozeß im 
Reißverschluß-System Schritt um Schritt vor sich gehen muß. Wie 
weit in der EWG diese Entwicklung fortgeschritten ist, zeigt uns der 
gegenwärtige Stand: der einzige durchschlagende (Teil-)Erfolg ist der 
totale Abbau der Zölle; in Sachen Agrarpolitik sei auf den chroni 
schen Butterberg, den Schweinezyklus und auf die Brüsseler Bauern 
demonstration hingewiesen. (Diese richtete sich gegen den Mansholt- 
Plan, die nach meiner Meinung einzig richtige Maßnahme einer ge 
meinsamen europäischen Agrarpolitik.) 
Die gemeinsame Währungspolitik äußert sich in der den EWG-Part- 
nem vorher nicht offiziell bekanntgegebenen Abwertung des franzö 
sischen Franc, obwohl diese, laut Römer Vertrag, bei einem solchen 
Schritt vorher zu konsultieren wären. Das ganze wiederholte sich im 
kürzlichen Kampf um die Freigabe des deutschen Wechselkurses. 
Die gemeinsame Wirtschafts- und Konjunkturpolitik kommt darin 
zum Ausdruck, daß in Deutschland eine Inflationsrate von zwei Pro 
zent und darüber als alarmierend gilt, während in Frankreich und 
Italien eine solche von fünf Prozent praktisch als normal zu bezeich 
nen ist. 
Diese Argumentation kann jedoch im spezifischen Falle Liechten 
steins nicht angewandt werden. Denn Liechtenstein kann aufgrund 
seiner schon mehrfach erwähnten Kleinheit nicht das Risiko ein- 
gehen, auf die jeweilige Praxis der Auslegung bzw. Anwendung des 
Römer Vertrages abzustellen, wie z. B. England sich das leisten kann. 
Für Liechtenstein zählt nicht der jeweilige erreichte Stand der Inte 
gration, sondern der Wortlaut des Römer Vertrages mit allen seinen 
möglichen Konsequenzen. Das, meine Damen und Herren, muß ein 
mal mit aller Deutlichkeit hervorgehoben werden. 
Höchstindustrialisiertes Land der Welt pro Kopf der Bevölkerung; 
eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt; 
höchstkonzentriertes Land pro Erwerbstätiger, das alles sind Relativ 
zahlen, die für uns Liechtensteiner zwar schmeichelhaft sind, die 
jedoch über den absoluten Stand der jeweiligen Größe, der allein 
jedoch für uns maßgebend ist, nicht viel aussagen. 
Als weiteres Beispiel für die Aussagekraft von Relativzahlen sei fol 
gendes angeführt. Die Firmen Hilti AG, Balzers AG, Hoval AG usw. 
sind für liechtensteinische Verhältnisse Großbetriebe, für schweize 
rische bestenfalls Mittelbetriebe und für europäische Verhältnisse, 
ebenso wie für amerikanische, Kleinbetriebe dritter Ordnung. 
In diesem Zusammenhang möchte ich eine andere, im ersten Moment
        

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