Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/43/
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In der Nationalökonomie wird zudem unterschieden zwischen funk 
tioneller und institutioneller Integration. 
Die funktionelle besteht im Abbau bzw. in der Beseitigung von.Han- 
delshemmnissen (wie Zöllen, Kontingenten usw.), während die insti 
tutionelle Integration darüber hinausgeht, in dem die Vereinheitli 
chung des Wirtschaftsgebietes noch durch gemeinsame Einrichtun 
gen und behördliche Maßnahmen gefördert wird. 
Man kann aber noch von einer dritten Form der Integration spre 
chen: ich möchte sie als faktische Integration bezeichnen. Sie ist ge 
kennzeichnet durch die Intensivierung der internationalen Arbeits 
teilung und der zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen und da 
durch der Wohlstands Vermehrung trotz bestehender Zollschranken. 
Ein Zustand, den ich als charakteristisch bezeichnen möchte für die 
gegenwärtige Situation Liechtensteins in Europa. 
Diesem Integrationsbegriff steht gegenüber der Begriff des Klein 
staates. 
In diesem Zusammenhang bedarf der Begriff der Größe einer Klä 
rung. Aufgrund der spezifisch ökonomischen Interpretation des Grö 
ßenbegriffes sollte Größe zweckmäßigerweise als Wirtschafts- und 
Marktpotential verstanden werden. Dieses Potential läßt sich von 
drei Komponenten herleiten: 
a) von der geographischen Ausdehnung eines Landes. Darin ist ein 
geschlossen auch das Vorkommen natürlicher Ressourcen. Klima 
position usw. 
b) von der Bevölkerungsgröße. Sie spielt sowohl für die Angebots 
seite als Produktionsfaktor, wie auch für die Nachfrage sehe als 
Absatzvolumen der Binnenmärkte eine große Rolle. 
c) von der Realeinkommensgröße. Diesem Faktor kommt an sich 
großes Gewicht zu. Aufgrund des ungefähr gleichen Entwick 
lungsstandes der Volkswirtschaften kommt ihm im Vergleich mit 
den «integrierten» Ländern Westeuropas jedoch eine untergeord 
nete Rolle zu. 
Neben der ökonomischen Interpretation des Größenbegriffs soll der 
politische Aspekt kurz gestreift werden. In politischer Hinsicht kann 
Größe entweder positiv-absolut als Vormachteffekt oder mehr rela 
tiv-neutral als «bargainingpower» (Verhandlungsmacht bzw. Ver 
handlungsposition aufgrund eines politischen Eigengewichts) auf 
gefaßt werden. Wenn auch Größe in diesem Sinne notwendig immer 
mehr auf einem bedeutenden Bevölkerungs- und Wirtschaftspotential 
basiert, so wird sie doch nicht allein dadurch bestimmt, sondern in 
der Regel auch durch den Staatsraum, seine geographische Größe so 
wie durch seine historische und strategische Position. Größe in die
        

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