Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/35/
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eine Fremdsprache klingen. Das ändert im Grundsätzlichen nichts: 
Im Staat zählt nicht allein die Zahl der Termiten und der Hunger 
der Wölfe. 
d) Kulturpolitik als Mittel liechtensteinischer Außenpolitik 
Die liechtensteinische Außenpolitik ist in ihren Hilfsmitteln und in 
ihrer Manövrierfähigkeit besonders durch den Zollvertrag beschränkt. 
In meinen bisherigen Ausführungen scheint die Verbindung von 
Außenpolitik und Kulturpolitik durch. 
Es ist ein Charakteristikum der Kulturpolitik, daß sie die Fähigkeit 
des Brückenschlagens auch zwischen ideologisch getrennten Staaten 
besitzt. Die Einmütigkeit an der UNESCO-Tagung in Venedig hat 
dies erneut bestätigt. Auch die Wiederaufnahme diplomatischer Be 
ziehungen geht in der ersten Phase meist über Kulturabkommen. Es 
gibt unzählige Beispiele dafür. Im Gefolge davon findet ein Aus 
tausch von Künstlern, Wissenschaftlern, Sportlern und Ausstellungen 
statt. Führende Politiker übernehmen jeweils das Patronat. Bezeich 
nenderweise führte zum Beispiel der russische Außenminister Gro- 
myko bei der Ausstellung «Historische Schätze der Sowjetunion» das 
Ehrenkomitee an. Es steht fest, daß alle Staaten der Welt, Kultur 
politik ins Beziehungskalkül mit Drittstaaten einrechnen. 
Wenn Liechtenstein eine Außenpolitik aufbauen will, die mehr ist 
als nur Beziehungen mit dem Zollvertragspartner — und meiner An 
sicht nach müssen wir das tun —, so ist Kulturpolitik, konzertiert 
mit anderen Vorstößen, für den Beginn das wirksamste. 
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts trug der Fürst allein die Sorge um 
die Außenpolitik Liechtensteins. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts 
führten die Zollverträge mit Österreich und der Schweiz zu einer 
fortschreitenden Verkümmerung des Sinnes für Beziehungen zu an 
deren Staaten als den Zollvertragspartnem. In der kritischen Zeit 
der zwanziger Jahre wirkten in Wien, Prag und Bern liechtenstei 
nische Vertretungen. Im Bewußtsein des heutigen Liechtensteiners ist 
eine Gesandtschaft in Bern schon zuviel. Vor die elementare Frage 
der Integration gestellt, ist Liechtenstein außenpolitisch verküm 
mert: es fehlt an Personal, Erfahrung, Konzeptionen und am Willen 
zur Veränderung, weil eine wirtschaftliche Blüte die Erkenntnis der 
Gefahr überdeckt. 
Dennoch, geschenkt wird uns nichts werden. Wir müssen wissen, was 
wir wollen und nicht nur das, was wir nicht wollen. Die Beziehungen 
zwischen den Völkern beruhen nicht auf karitativen Grundsätzen.
        

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