Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/33/
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anderen. Eine vernünftige Finanz- und Wirtschaftspolitik sind Vor 
aussetzung für die Kulturpolitik, wie umgekehrt diese wieder jene 
befruchtet. Es ist ein ganz müßiges Unterfangen, Wirtschaftspolitik 
gegen Kulturpolitik auszuspielen (was ich in unserem Lande schon 
an maßgebender Stelle erfahren habe). Wer möchte mit dem Postulat 
nach reiner Luft, die Sorge um das reine Wasser entkräften? Wir 
brauchen beides. Die Frage nach den Prioritäten ist nicht sosehr eine 
Frage nach der Wertung als vielmehr nach dem Vorgehen. 
Wenn ich die Dinge beim Namen nennen darf, so befallt mich beim 
Betrachten der Lage ein Unbehagen: Ich fürchte, daß wir eines Tages 
keine Finanzpolitik haben, daß aber die Finanzpolitik uns hat. Der 
Finanzausgleich kann in konsequenter Ausführung nur zum Staats 
ausgleich werden, so daß elf Krösuse im Armenhaus Liechtenstein 
sitzen. Unterdessen leidet der Staat, der in Außen-, Bildungs- und 
Kulturpolitik erhebliche Summen aufbringen und neue Aktivitäten 
ergreifen sollte, um überhaupt Staat bleiben zu können. Natürlich 
kann Einsichtslosigkeit gegen derartige Argumente fröhlich Urständ 
feiern: bei leichtem Abrücken von der Realität werden kulturpoli 
tische Pläne lächerlich. Die «incertitude allemanique» und das Ge 
fühl, als Staat nichts zu sein, dienen als Hebel, um jeden Entwurf 
ohne Denkanstrengung ins Gefalle persönlicher Animosität zu wäl 
zen, wo er in die tiefsten Tiefen der Negation und Verdrängung fallt. 
(Dafür haben sie Geld .. ., Wurmfraß macht wertvoll..., so viel für 
ein bemaltes Tuch usw.) Was Kulturpolitik eigentlich vermag, möchte 
ich an zwei Aspekten verdeutlichen: Kulturpolitik als Selbstdarstel 
lung und als Mittel der Außenpolitik. 
c) Kulturpolitik als Selbstdarstellung Liechtensteins 
Kulturpolitik hat sich als Mittel staatlichen Selbstverständnisses und 
staatlicher Selbstdarstellung bewährt. Kultur und Herrschaft gehen 
in ihrer Erscheinung gern eine Verbindung ein. Die kalkulierte 
Macht umgibt sich mit dem Mantel des Irrationalen und nimmt so 
den Menschen in Beschlag, der von Natur aus in seinem Denken und 
Sagen nicht auf reine Rationalität angelegt ist. Macht und Herrschaft 
erhalten über das Rechnerische hinaus eine zusätzliche Dimension. 
Wie geschickt arbeiten andere Staaten mit der Kultur als Mittel der 
Selbstdarstellung und des Selbstverständnisses! Selbst die jüngsten 
afrikanischen Staaten holen gezielt und zum schlecht versteckten 
Ärger der Industrieländer und Geldgeber mangelndes Staatsbewußt 
sein mit kultureller Repräsentation auf. Jede Gemeinschaft braucht
        

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